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(Autorisierte Übersetzung aus dem Englischen von Fanny Weiß, Wien)
Das Obszöne ist ein dauerndes Element im menschlichen Gemeinschaftsleben und entspricht einem tiefen Bedürfnis der menschlichen Gefühlswelt oder — trotz allem was wir Gegenteiliges wissen — der Gefühlswelt im allgemeinen. Es ist nicht beschränkt auf irgend eine Nation oder Kulturstufe, weder eine hohe, zivilisierte, noch tiefe, unzivilisierte. Es ist zweifellos vorhanden und wir begegnen ihm bei den sogenannten primitiven Völkern ebenso wie bei den höheren Rassen, deren größte Geister es freudig verkünden1. Wenn wir uns diese fundamentale Beständigkeit des Obszönen vor Augen halten, befreien wir uns nicht bloß von einem zweideutigen, geistigen Problem, sondern auch von einer lästigen moralischen Aufgabe, die umso lästiger erscheint, als die Erfahrung lehrt, daß sie vergeblich ist. Verstandesmäßige Unterscheidung und moralischer Takt bleiben weiterhin unerläßlich, aber unsere Bemühungen müssen nicht länger nutzlos sein, wenn die Notwendigkeit einer neuen Bewertung des Obszönen erkannt wird.
Die Aufgabe, die wir uns damit stellen, gewinnt an Bedeutung, bedenkt man, daß wir bei einer ähnlichen bereits ein großes Stück vorwärts kamen: bei der Neu-Einschätzung des Sexuellen, mit dem das Obszöne vielfach assoziiert oder verwechselt wird. Unter „obszön” versteht man eigentlich, was sich „hinter der Szene” begibt und auf der Bühne des Lebens nicht offen gezeigt wird. Das heißt natürlich nicht auf dem wirklichen Theater. Denn das Theater stellt oft Dinge dar, die kaum so freimütig im Leben gezeigt werden — Kunst als Ergänzung des Lebens — und ebenso häufig findet man bei großen und weniger großen Dramatikern (nennen wir es beim richtigen Namen) ein obszönes Element. Betrachten wir nun auch noch die Rolle,