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Unter der Überschrift „Psychoana-Lou” (der man das lebhafte Bestreben, witzig zu sein, nicht absprechen kann) beschäftigt sich im „Mindener Tageblatt” M. B. mit dem jüngst erschienenen Buch von Lou Andreas-Salomé, „Mein Dank an Freud”. „In allen kulturell bewegten Zeiten” — heißt es da — „kennen wir diesen Typus der geistesfreien, unrastvoll getriebenen Frau, die schöpferischer Anteilnahme begierig sich ansaugt an den schöpferischen Mann. So saugte sich die Sand an Musset und Chopin und Flaubert, so Bettina an den Bruder, an Goethe und Beethoven, so die Andreas-Salomé an Klinger und R. M. Rilke an. Auch dem Schöpfer der Psychoanalyse zeigt sie sich nun in dieser seltsamen Verwandtschaft verwachsen und fühlt sich gedrängt, zu seinem 75. Geburtstage ein offenes Bekenntnis zu ihm abzulegen.” Die Verfasserin entferne sich nicht allzuweit von den Wegen ihres Meisters. „Man könnte an den Zaunkönig denken, der, in des Adlers Gefieder gekrallt, sich mit emportragen läßt in die Lüfte, — und gewiß ist die Salomé keine plumpe Henne, die, unterwegs vom Schwindel angepackt, die Krallen lösen müßte, um den beschädigten Flunk dann gackelnd auf dem Hühnerhofe auszuheilen. Sie kommt schon mit in die Höhe — und darf dann ein Stücklein abseits flattern, um doch zu rechter Zeit ins schützende Gefieder wieder einzufliegen. Sie selbst gebraucht ein anderes Bild und sagt ihrem lieben Professor Freud, daß sie sich wohl fühle an seiner Leine, die nur von Zeit zu Zeit genügend gelockert — dann aber wieder entsprechend aufgewickelt werden müsse. Seltsames psychologisches Spiel: die Hörigkeit einer Herrin offenbarend.”
„Soweit sie aber” — fährt der Kritiker dann fort — wirklich Herrin und eigenpersönlich ist und bleibt, sind ihre Exkurse geistvoll und interessant. Sie ist ästhetische Persönlichkeit, von starkem Interesse nicht nur, sondern auch von hohem Verständnis für den schöpferischen Menschen. So hat sie vortrefflich das ‚bestürzend asketische Moment’ im erotischen Dichter empfunden: die V