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Warum ist eine gute Ehe so selten? Eine Ehe, die nicht die Entwicklungsmöglichkeiten des einen oder anderen Partners brach legt; eine Ehe, bei der nicht unterirdische Spannungen fühlbar in der Atmosphäre des Hauses mitschwingen, oder bei der diese Spannungen sich nicht zu einer mehr oder weniger wohlwollenden Indifferenz verdichtet haben? Ist die Institution „Ehe” vielleicht unvereinbar mit bestimmten Gegebenheiten menschlichen Seins, am Ende nur eine Illusion, reif zum Fallen — oder sind wir „modernen” Menschen besonders unfähig dazu, sie zu gestalten? Sprechen wir ihr oder uns selbst ein Armutszeugnis aus, wenn wir sie verurteilen? Warum ist so häufig die Ehe „der Tod der Liebe” — ist das eine unabwendbare Gesetzmäßigkeit, der wir in dieser oder jener Form unterliegen müssen, oder treiben hier erkennbare, nach Inhalt und Stärke jeweils verschiedene, — vielleicht sogar vermeidbare? — Kräfte in uns ihr unheilvolles Spiel?
Flächenhaft gesehen sieht dies Problem sehr einfach und — sehr hoffnungslos aus: Das lange Zusammenleben mit einem und demselben Menschen führt notwendig zur Gewöhnung, zur Ermüdung, zur Abstumpfung in den allgemein menschlichen wie auch besonders in den sexuellen Beziehungen; daher sei ein allmähliches Versanden und Erkalten unvermeidlich. Van de Velde hat uns ein ganzes Buch voll wohlgemeinter Vorschläge geschenkt, wie insbesondere dem Unerfülltsein im Sexuellen abzuhelfen sei — wobei er nur das eine übersehen hat: daß er am Symptom kuriert, statt am Krankheitsprozeß. Denn alles dieses — daß die Ehe ihre Beseeltheit und ihren Glanz verliert durch das träge Einerlei der Jahre: alles dieses ist die Oberfläche.
Es ist nicht eigentlich schwer, die Kräfte zu sehen, die aus der Tiefe heraus wirksam sind — aber es ist unbehaglich, wie jeder Blick in die Tiefe unbehaglich ist. Man braucht nicht in der Werkstatt Freuds geschult zu sein, um sehen zu können, daß die Leere einer Ehe nicht einfache Ermüdung ist, sondern das Ergebnis von destruktiven Kräften, di