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Aus dem Vortrag, den Dr. Heinrich Meng (Frankfurt a. M.) im Mai 1931 auf dem VI. Allgemeinen Ärztlichen Kongreß für Psychotherapie in Dresden über „Konstitutionsumstellung durch Arznei, Hormon, Psyche” hielt, geben wir hier zwei Bruchstücke wieder Bei dieser Gelegenheit verweisen wir auch darauf, daß der Bericht über den ganzen Kongreß vor kurzem in Buchform (ebenso wie die Berichte über die fünf vorangegangenen Kongresse) im Verlage Hirzel in Leipzig erschienen ist.
Die Untersuchungen und Beobachtungen, mit bestimmten Arzneistoffen Angst hervorzurufen und Angst zu bekämpfen, lassen es durchaus möglich erscheinen, daß bei gründlicher Kenntnis der chemischen Vorgänge, die die Angst erregen, begleiten oder fixieren, später eine somatische Angsttherapie ausgebaut werden kann. Die Libidolehre Freuds hat diesen Gesichtspunkt schon vor 30 Jahren berücksichtigt, als Freud für eine ferne Zukunft die Hoffnung aussprach, daß, wenn die chemischen Triebquellen einmal bekannt und in ihrer Zusammensetzung genau durchforscht seien, der Nutzen für die Kenntnis und die Heilung der Neurosen ein ungeheuerer sein müßte! Ging doch Freud davon aus, die Neurosen mit den Endotoxikosen zu vergleichen. Klar tritt seine Stellung in der „Selbstdarstellung” — 1925 veröffentlicht — hervor: „So wurde ich dazu geführt, die Neurosen ganz allgemein als Störungen der Sexualfunktion zu erkennen, und zwar die sogenannten Aktualneurosen als direkten toxischen Ausdruck, die Psychoneurosen als psychischen Ausdruck dieser Störungen. Mein ärztliches Gewissen fühlte sich durch diese Aufstellung befriedigt. Ich hoffte, eine Lücke in der Medizin ausgefüllt zu haben, die bei einer biologisch so wichtigen Funktion keine anderen Schädigungen als durch Infektion oder grobe anatomische Läsion in Betracht ziehen wollte. Außerdem kam der ärztlichen Auffassung zugute, daß die Sexualität ja keine bloß psychische Sache war. Sie hatte auch ihre somatische Seite, man durfte ihr einen besonderen Chemismus zuschreiben und di