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Im neuesten Heft der „Revue Française de Psychanalyse” veröffendicht Marie Bonaparte eine Studie über „Tauer, Nekrophilie und Sadismus”. Mit dem Problem der Nekrophilie hatte sich früher bereits Ernest Jones in seiner Monographie über den Alptraum beschäftigt. Er unterschied zwei Formen der Nekrophilie, von denen die eine, normalere, eine Art von übermäßig ausgedehnter Trauer ist: die hartnäckige
Abiehnung des Todes einer geliebten Person, ein Verhalten, das schon bei den Alten, auch in der altjüdischen Geschichte (Herodes!) und im Mittelalter wiederholt geschildert worden ist. In der Literatur der neueren Zeit haben Heinrich von Kleist (Die Marquise von O.), Otto Ludwig (Marie), Zacharias Werner in seinen „Kreuzesbrüdern” und manche andere Autoren diese ‚Liebe über den Tod hinaus” künstlerisch behandelt. Marie Bonaparte fügt als weiteres Beispiel Victor Hugos Quasimodo in seinem Roman „Notre-Dame de Paris” hinzu, der in seiner ungestillten Leidenschaft für Esmeralda sich nach deren Tod in ihr Grab legt. Die andere Form der Nekrophilie, die schauerlichere von beiden, ist vielleicht die extremste Perversion des menschlichen Liebestriebs, die sich denken läßt. Sie findet ihre Befriedigung an Leichen, an denen der Geschlechtsakt vollzogen wird, oder — charakteristischerweise — durch Zerfleischen und Verschlingen des Fleisches des Leichnams. Es handelt sich hier — wie Marie Bonaparte ausführt — offenbar um eine Regression zu den allerprimitivsten Formen des oralen und analen Sadismus. Diese letztere Beziehung, die anale, ergibt sich aus dem engen Zusammenhang zwischen Kot und allen in Verwesung übergegangenen Stoffen, speziell menschlichen Leichen. Zu dieser letzteren Art der Nekrophilen, die ihrem Wesen nach polygam sind, haben Bertrand und Ardisson gehört, während Edgar Poë Vertreter der ersten Kategorie ist, und zwar in latenter und sublimierter Form.
Die Ätiologie der Nekrophilie ist nicht leicht zu erschließen. Es hilft uns nichts, wenn wir eine prägenitale, sadis