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Vortrag, gehalten am 14. Januar 1932 im Akademischen Verein für medizinische Psychologie in Wien als Einleitung zum Zyklus über das Schuldproblem. (Die weiteren — nicht psychoanalytischen — Vorträge im Rahmen des Zyklus hielten: Doz. Dr. Oswald Schwarz, Dr. Friedrich Schnek, Doz. Dr. Rudolf Allers.)
Wie sehr der am heutigen Tage beginnende Vortragszyklus über das Schuldproblem gerade hier, im Akademischen Verein für medizinische Psychologie, am Platze ist, dies mögen Sie aus der nachstehenden, sonst wenig beachteten Anmerkung Nietzsches in der „Genealogie der Moral” ersehen: „Anderseits ist es freilich ebenso nötig, die Teilnahme der Mediziner für diese Probleme (vom Werte der bisherigen Wertschätzungen) zu gewinnen” und weiter: „Alle Gütertafeln … warten auf eine Kritik der medizinischen Wissenschaft.”
Nun ist der providentielle Mann aus der Reihe der Ärzte, den Nietzsche rief, tatsächlich erschienen; er hat — ganz von ihm unbeeinflußt — das Schuldgefühlproblem, das seit Nietzsches Zeiten in einen Dornröschenschlaf verfiel, zu neuem Leben geweckt und damit in das fast undurchdringliche Dickicht der moralphilosophischen Theoreme eine gewaltige Lichtung geschlagen.
Die Folgen zeigen sich bereits. So, wenn der namhafte Philosoph Schlick in seinen „Fragen der Ethik” die Forderung erhebt, daß nur eine empirische Wissenschaft von den Gesetzen des Seelenlebens berufen und im Stande sei, eine Kausalerklärung des ethischen Verhaltens — als der zentralsten Frage der Ethik — zu liefern. So auch, wenn ein Arzt, Dr. Kant (Tübingen) in seiner soeben erschienenen „Biologie der Ethik” das Schuldgefühl zum Zentrum der Problematik macht.
Und so scheint mir denn, daß trotz aller Abweichungen und Abwegigkeiten der Autoren dennoch durch die genetische und strukturelle Aufhellung des Schuldgefühls durch Freud für die sogenannte empirische oder natürliche Ethik ein kaum mehr verrückbarer Ausgangspunkt gewonnen wurde.
Die Psychoanalyse hat ja schon zur Zeit, als sie sich bloß auf Libidoforschu