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Der Schauspieler ist gleichsam der ins Künstlerische übersetzte Arzt, so wie der Priester der ins Religiöse übersetzte Arzt ist.
Otto Rank: Der Künstler
„Der ungebildete Mensch aus dem Volke bringt die Forderungen des Kindes, der Überbildete, der Kulturmüde die Ansprüche des höheren Alters vor den bunten Vorhang. Indem der Dichter fortwährend die Gesamtheit der menschlichen Kräfte in ein lebendiges Spiel versetzt, stellt er, wenigstens für die kurze Zeit der vollen Kraft seines Zaubers, die ursprüngliche Ganzheit der Menschen wieder her”. Diese bemerkenswerte Äußerung über den tieferen Sinn des Theaters liest man in Otto Ludwigs Shakespearestudien, und man wird zugeben, daß der Dichter hier etwas entdeckt hat, was andere vor und nach ihm gewiß auch schon empfunden, aber kaum jemals so treffend formuliert haben.
Im Zentrum der folgenden, natürlich vorläufig fragmentarischen Untersuchung soll die Frage stehen: Warum hat der Mensch in allen Zeiten und Kulturen immer wieder den Drang zum Theaterspielen in sich gespürt, und welcher Art ist nun wiederum, psychologisch betrachtet, sein Verhältnis zu diesem Theaterspiel, das er aus sich selbst erst erschaffen hat?
Es wird sich als zweckmäßig erweisen, wenn man für den Gang einer derartigen Erörterung vor allem solche Formen des Theaterspielens in Betracht zieht, bei denen die Grundelemente noch am reinsten ausgebildet sind. Das ist vor allem noch der Fall beim Mimus, also jener Form des primitiven Volks- und Massentheaters, das in akrobatischen und tänzerischen Schaustellungen mit fast durchweg stark erotischem Einschlag seine Befriedigung fand, von dem aber nicht nur unser Zirkus und Variété, sondern auch unsere Schaubühne entscheidende und nachhaltige Impulse empfangen haben. Unser Theater mit seinen tausendfältigen Verzweigungen und Überlagerungen durch allerlei intellektualistische, vor allem moralistische Korrekturen, die es sich im Laufe der Zeit gefallen lassen mußte, eignet sich weniger zu solcher Untersuchung, wennglei