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In „Kyklos, Jahrbuch für Geschichte und Philosophie der Medizin” veröffentlicht Dr. Gerhart Scheunert eine Abhandlung über „Kultur und Neurose am Ausgang des 19. Jahrhunderts”. Er verweist darin u. a. auf Freuds Feststellung, daß das sexuelle Verhalten häufig vorbildlich ist für die ganze sonstige Reaktionsweise des Menschen und daß die Energien, die der Erkenntnis und dem Denken gewidmet werden, häufig die gleichen sind, die früher der infantilen Sexualforschung dienten. Angesichts der Zusammenhänge zwischen Weltanschauung und seelischer Gesundheit müsse erkannt werden, wie menschliche Aufgaben zu eminent ärztlichen Aufgaben geworden sind. Eine menschliche Aufgabe unserer Zeit sieht Scheunert in der Richtung eines Freudschen Wortes: „Wir aber sagen uns, wer die Erziehung und Wahrheit gegen sich selbst mit Erfolg durchgemacht hat, der ist gegen die Gefahr der Unsittlichkeit dauernd geschützt, mag auch sein Maßstab der Sittlichkeit von dem in der Gesellschaft üblichen irgendwie abweichen.” Scheunerts Aufsatz schließt — unter Hinweis auf die Freudsche Erziehung zur Realität — mit den Worten: „Erziehung zum unbedingten Respekt vor dem Objekt und den Tatsachen, den bittersten Tatsachen, ohne den Glauben an den Geist und die Vernunft aufzugeben! Durchstoß zu einer Weltanschauung, nicht — wie Hellpach im Jahre 1906 noch wollte — im Sinne eines skeptischen Idealismus, sondern im Sinne eines gläubigen Realismus!” St.