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Goethe trat aus seinem Zimmer aufrecht und heiter; sein Blick schien wie nach innen gerichtet nach aufmerksamem Studium oder längerem Lesen.
„Also hat auch Sie die Phantasie treuer Anhänger heute zum Leben erweckt”, sagte Goethe freundlich. „Ich bin nun hundert Jahre tot. Was hat nicht Alles unterdessen die Welt bewegt! Wie mag die Menschheit in Wissenschaft und Technik fortgeschritten sein!”
Ich entsinne mich der Sicherheit, sagte ich, mit der Sie auf die Unsterblichkeit Ihrer Seele rechneten: Wenn ich bis an mein Ende rastlos wirke, so ist die Natur verpflichtet, mir eine andere Form des Daseins anzuweisen.
„Nein”, sagte Goethe darauf, „so sicher war ich meiner Sache nicht. Ich entsinne mich auch, zu Ihnen einmal gesagt zu haben: Die Beschäftigung mit Unsterblichkeitsideen ist für vornehme Stände und besonders für Frauenzimmer, die nichts zu tun haben. Ein tüchtiger Mensch aber, der schon im Leben etwas Ordentliches zu sein gedenkt und der daher täglich zu streben, zu kämpfen und zu wirken hat, läßt die künftige Welt auf sich beruhen und ist tätig und nützlich in dieser. Ferner sind Unsterblichkeitsgedanken für solche, die in Hinsicht auf Glück hier nicht zum besten weggekommen sind. Nur der Wunsch nach Fortdauer ließ mich hoffen, was meine fromme Mutter immer geglaubt hat. Aber jetzt, da ich hundert Jahre tot bin und nur von der Phantasie eines Jüngers scheinbar materialisiert Ihnen entgegentrete, mein Kind, weiß ich, daß der geistreiche Franzose recht hat, der sagte: si l'on mort, c'est pour longtemps!
Und hundert Jahre Wissenschaft, bedenken Sie, sind seither vergangen. Wie glaubt man, noch glauben zu können, als habe sich nichts geändert!?”
Ich bewunderte das Feuer seiner ungestümen Rede und entsann mich seines nimmermüden Forschungstriebes sein Leben lang; und daß sein Glaube an einen persönlichen Gott, an einen christlichen Gott nicht immer absolut feststand. Wir werden alle nach und nach aus dem Christentum des Worts und Glaubens immer mehr zu einem