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Ich bin gewiß, daß in nicht allzu ferner Zeit die Völkerbiologie nach ihrer seelischen Seite hin als mindestens ebenso wichtig, ja weit wichtiger erkannt wird, als die heute fast nur nach materiellen Tatsachen eingerichtete Hygiene und Soziologie.
Oskar Pfister.1
Der Gedanke einer analytischen Sozialtherapie ist, soviel mir bekannt, zuerst von Pfister ausgesprochen. Nachdem er, im Jahre 1914, in seinem Aufsatz „Zur Psychologie des Krieges und des Friedens”2 die Notwendigkeit betont hatte, den Völkern die unterschwelligen, affektiven Mächte, die beim Kriege beteiligt sind, zum Bewußtsein zu bringen, redete er in seiner Schrift „Der seelische Aufbau des klassischen Kapitalismus und des Geldgeistes”3 einer, auf den von Freud gelegten Fundamenten aufzubauenden, Sozialhygiene das Wort. Dieser Gedanke fand dann in späteren Büchern und Aufsätzen Pfisters4 weitere Ausarbeitung und Vertiefung.
In seinem „Unbehagen in der Kultur” hat sich Freud in ganz übereinstimmendem Sinne ausgesprochen. Die weitgehende Ähnlichlichkeit der Kulturentwicklung mit der des Einzelnen, schreibt Freud, scheint zur Diagnose zu berechtigen, daß manche Kulturen oder Kulturepochen, ja möglicherweise die ganze Menschheit, unter dem Einfluß der Kulturstrebungen neurotisch geworden sind. Obwohl die analytische Zergliederung dieser Gemeinschaftsneurosen auf besondere Schwierigkeiten