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Der französische Arzt C. D. Dausse (Paris) beschäftigt sich mit einem in „La République” veröffentlichten Artikel „Trente ans ou l'apothéose de quelques erreurs” hypothetisch mit den Ereignissen in den nächsten dreißig oder vierzig Jahren, die zu einem „renouvellement des valeurs” führen und deren historische Bedeutung darin liegt, daß sie gleichsam eine Apotheose der vorhergehenden Epoche darstellen werden. Der Ausgangspunkt seiner Betrachtungen sind zwei Bücher, die in allerletzter Zeit in Frankreich erschienen sind und dort großes Aufsehen erregt haben: die französische Übersetzung der „Zukunft einer Illusion” von Freud1 und der ethische Traktat Bergsons, „Les deux sources de la Morale et de la Religion.”2
Freud macht sich, referiert Dausse, an sein Problem mit dem Erkenntnismittel der Psychoanalyse heran, gibt in dem ersten Kapitel ein durch seine Tiefe und Universalität in Erstaunen versetzendes Resumé der Entwicklung seines Problems, diskutiert den Wert der Erkenntnisse, die er zur tieferen Erfassung seiner Materie beibringt, und kommt zu dem Schluß, die religiöse Ära der Menschheit sei mit der Ära der „infantilen Neurose” identisch. Freud fürchtet nicht nur die schmerzhafte Loslösung von der mystischen Illusion nicht, er zeigt sogar die ersten Zeichen dieser Erscheinung auf und kündigt die Befreiung an. Dieses Buch, auf das jeder Mensch lebhaft reagieren muß, denn es versetzt das Problem in die sensibelsten Zonen unseres Seins, bringt den ganzen inneren Kampf in bewundernswertem Schwung zum Ausdruck, und dabei ist es von so vollkommener Ehrlichkeit, daß keine Überzeugung verletzt werden kann; wir haben es allerdings nicht mit dem hochmütig verneinenden Monolog eines Menschen zu tun, der keinen Glauben anerkennt, sondern mit dem Zwiegespräch, das ein Ungläubiger mit dem Gläubigen führt.
Zu diesem Werk Freuds steht nun die Arbeit Bergsons in einem derart seltsamen Gegensatz, daß man glauben könnte, Worte aus einer andern Welt zu hören; dabei gehen beide Bücher di