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so fragt Dr. W. Gutkelch anläßlich von Buchbesprechungen in der „Täglichen Rundschau”, Berlin, 10. Juli 1932.
Er nennt diese Frage eine brennende Gegenwartsfrage. Sowohl die naturwissenschaftlichen als auch die soziologischen Theoreme materialistischer Prägung würden die religiöse Denkhaltung nicht bedrohen, wenn sie nur sie selber wären; in Wahrheit sind sie aber Palastrevolutionen innerhalb des religiösen Bezirkes, dialektische Akzentverschiebungen im Sprachgebrauch des Frommseins, und erst in zweiter Linie ein Ansturm von außen, gegen den alsdann der „Glaube” zu mobilisieren ist.
An die vier, gesondert erschienenen Krankengeschichten1 Freud's anknüpfend, erklärt der Autor vor allem die Deutung der pathologischen Phänomene aus der „Verdrängung” für wichtig für die religiöse Fragestellung. „Wenn in dem Mechanismus der paranoischen Symptombildung das Weltuntergangsgefühl als Projektion einer inneren Katastophe begriffen wird, die darin besteht, daß der Kranke den Personen der Umwelt die Libidobesetzung entzieht, so schließt der solcher Mythik nachgesagte „Rekonstruktions”-Charakter doch deren irrationale Realität aus. Das „Nur” der analytischen Entlarvung gibt der paranoischen Religiösität ebenso wie der halluzinatorischen Psychose das Vorzeichen nicht nur der Täuschung, sondern der Unwirklichkeit…”
Damit sei aber nun noch keineswegs das Christentum diagnostisch entwertet, allenfalls das Christentum als religiöser Mythos, nicht aber als die vor die Alternative stellende Gnadenbotschaft von Golgatha…” Ist das „Nur” des analytischen Verfahrens biologisch und mythologisch berechtigt, so ist das Mehr, das in dem Risiko des Glaubens liegt, nur für den erkennbar, der sich willentlich zu ihm entschließt (Joh. 7, 17). Am Anfang aller vertieften Erkenntnis steht das sich Beugen unter den göttlichen Entscheidungsanspruch, das sich Beugen unter die apostolische Autorität. Der Intellektualismus der Analyse hat keines von beiden, gerade die Gehorsamshaltung ist als infantiles Traum