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In der „Zeitschrift für Sexualwissenschaft uud Sexualpolitik”, 18. Band, 8. Heft, erklärt sich H. Vorwahl (Harburg) in einem Aufsatz „Zu Goethes Liebesleben” mit den Feststellungen der Psychoanalytiker über dasselbe Thema sehr einverstanden und bringt weiteres Material. Schon der Philosoph Simmel betonte bei Goethe „eine lebenslang geübte und verkündete Entsagung als positives Formprinzip seines Lebens”. Bestätigungen ergeben sich aus einer Reihe lateinisch geschriebener Aufzeichnungen Goethes, die wenig bekannt sind (Weimarer Ausgabe Bd. 53, Nachträge). Sexuelle Minderwertigkeitsgefühle reagiere Goethe in den „Bemerkungen zu der Sammlung Priapeia” ab und in der römischen Elegie IV 109; den Umfang seiner Beschäftigung mit der Theorie des Sexuallebens zeigen seine Bemerkungen zu Augustinus' Notizen über die erotischen Gottheiten der Römer.
Vorwahl weist auch auf das interessante sprachliche Problem in Goethes Briefwechsel mit seiner Frau hin, wo die Menstruation als „Besuch von Meerweibchen”, die Schwangerschaft als „Pfuiteufelchen” bezeichnet wird, zugleich bezeichnende Gefühlreaktionen ausdrückend.
Auch nach C. G. Carus, der aus nächster Nähe ein unschätzbares Bild vom Menschen Goethe gegeben hat, „war die Liebe als Bestimmungsgrund der ganzen Existenz der Individualität Goethes nicht bestimmt, und dieser Mangel war es, der ihn der Entsagung fähig machte”.