You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das verdienstvolle Komitee, das im Oktober 1931 am Geburtshause Prof. Freud's in Freiberg in Mähren (tschechoslowakische Republik) eine Gedenktafel angebracht hat, ließ auch unter dem Namen eines Psychoanalytischen Almanachs ein Buch in tschechischer Sprache erscheinen, das einen Bericht über die Feierlichkeit bringt, sowie eine Reihe von populären Aufsätzen, redigiert vom Prager Nervenarzt E. Windholz.
In der Einleitung verteidigt Windholz die Psychoanalyse als Wissenschaft und rechtfertigt ihre Methodik durch Vergleich mit den Naturwissenschaften. Er verweist ferner auf Freuds Ideenverwandtschaft mit Dostojewski.
Primarius Stuchlik (Kosice) betont in seinem Aufsatz „Die Tiefen der Seele” die Notwendigkeit der Annahme unbewußter seelischer Vorgänge. Freud habe die kausale Psychotherapie begründet.
Dozent Osipov (Prag) bringt einen schon mehrfach von ihm gehaltenen Vortrag über „die Psychopathologie des Alltagslebens”, worin er auch eigene, sehr beweisende Beispiele berichtet. Er hebt den Wert und die Unschädlichkeit der psychoanalytischen Behandlung hervor.
Einen mehr philosophischen Beitrag bringt der Röntgenologe Slabihoudek (Mährisch-Ostrau): „Freudismus und der Mensch”. Er vergleicht Freud mit Bergson, Driesch und James.
Nervenarzt Frank (Sanatorium Theresienbad in Eichwald) schreibt über „Psychoanalyse und Psychiatrie”: die beschreibende Psychiatrie sei nun erst zu einer verstehenden geworden, nachdem Freud die Sprache der Seele entdeckt hat.
Große Vertrautheit mit der Psychoanalyse verraten auch die beiden Aufsätze von Windholz über „Die psychoanalytische Therapie”, sowie „Die Struktur der Seele und die Anwendung der Psychoanalyse”. Namentlich der zweite Aufsatz ist sehr anregend und instruktiv und behandelt auch die Anwendung auf Biographik, Dichtung und Kunstwerk.
Es besteht die Absicht, im Winter 1932/33 einen weiteren Sammelband herauszugeben.
E. H.