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Früh hat Freud als die tiefsten Grundgewalten des Seelischen die Triebe erkannt. Sie stellten sich ihm dar als dynamische Gegebenheiten, die, aus dem Organischen aufsteigend, in unserer Seele die mächtigen Motoren der großen Bedürfnisse erzeugen; ihrer Befriedigung auf direktem und indirektem Wege mußte er den größten Teil unserer psychischen Tätigkeit überhaupt gewidmet erkennen. So war es bald ein Bedürfnis, den Begriff des Triebes zu definieren. Der Trieb gilt uns als ein psychophysisches Doppelwesen, im Organischen erzeugt, eine psychische Kraft repräsentierend, in seiner Begriffsbestimmung einen faßlichen Übergang vom Körperlichen ins Seelische darstellend. Das Getriebenwerden durch ihn erleben wir als ein Seelisches, seine körperliche Bedingtheit kann uns das physiologische Experiment erweisen. Die Triebpsychologie ist also jener Teil der Lehre von den psychischen Erscheinungen, der an die somatische Wissenschaft der Physiologie den unmittelbarsten Anschluß sucht und zum Teil schon gefunden hat. Mit seiner Triebpsychologie hat Freud zu einer Einheitswissenschaft des Körperlich-Seelischen die ersten tragfähigen Brücken geschlagen. Mit ihr erstmalig wurde die Psychologie in alle ihre fernen Verzweigungen ein Teil jener Wissenschaft, die die Erscheinungen des Lebendigen zu ihrem Forschungsobjekte nimmt, ein Teil also der Biologie.
Es konnte nicht ausbleiben, daß an einen Forscher von so tiefem Wissenswunsch beseelt wie Freud die Frage langte, woher denn die Triebe selbst ihren Ursprung nehmen, welcher geheimnisvolle Sinn denn in ihnen seinen Ausdruck findet, was sie bedeuten und wann ihr erstes Wirken im lebenden Stoff begonnen hat. Alle Teile dieser Frage reichen so tief in den Anbeginn, so weit nach rückwärts in die Anfänge des Lebendigen, daß der große mutige Denker ein leises Bangen, ein vorsichtiges Zögern seinem Unternehmen einer Antwort voranstellt. Und so beginnt denn das vierte Kapitel im „Jenseits des Lustprinzips”: „Was nun folgt, ist Spekulation, oft w