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Wenn wir hier zu diesem Buch Stellung nehmen, das den Zweck hat, „jedermann zu helfen, so richtig als möglich zu denken und so weise als möglich leben zu lernen”, so geschieht dies prinzipiell, d. h. zu allen ähnlichen, besonders in Amerika „erfolgreichen” Büchern zur moralischen und geistigen Hebung des Einzelnen oder des ganzen Volkes; in gleicher Richtung sollen ja auch allerlei Vorträge usw. dienen. Eine gewaltige Literatur aller Zeiten, von Senecas Satz „Werdet endlich weise”, über Smiles und Mulford bis zum heutigen Tage, liegt vor.
So oft wir einen Neurotiker in Behandlung übernehmen, hören wir, daß ein wohlwollender Anverwandter meine, die Psychoanalyse sei eigentlich ein überflüssiger Luxus. Wenn sich der Patient zusammennehmen würde, einen stärkeren Willen aufbrächte, könnte er ohne die Analyse auskommen; sie zu brauchen sei eigentlich eine Schande.
Offenbar gibt es Ergänzungsreihen menschlicher Unvollkommenheit, an deren einem Ende die leicht Beeinflußbaren stehen, bei deren Bereitschaft Zureden hilft; während am anderen Ende der Reihe jene Schwierigen stehen, die wirklich Kranken, bei denen wir Analytiker den größten Widerständen, gegen ihr sich zum Guten ändern, begegnen. Daß nur die Erkenntnis dieser Widerstände die richtige Aufklärung über Entstehen und Festhalten der Störungen gibt, beweist nichts gegen die Berechtigung der Anwendung suggestiver Reden oder Bücher auf dem Gebiet der Erziehung oder Behandlung Junger oder Alter.
Dimnet wirft uns Analytikern vor, daß wir, so ziemlich alle, nur für wirklich kranke Seelen Interesse aufzubringen scheinen: „Wer keinen Grund sieht, die eigene Normalität in Frage zu ziehen, sich jedoch, wie die meisten von uns, gewisser Hemmungen bewußt ist, … wendet sich mit Unwillen von dieser Sammlung Krankengeschichten ab.” Ein ungerechter Vorwurf; denn auch der Vertreter operativer Chirurgie wird sich nicht gerade für das Entfernen eines Hühnerauges durch Pflaster interessieren. Psychotherapeuten, Magnetiseure und Kosmetiker