You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Hervorragende Repräsentanten unserer Zeit, Shaw, Freud, Walther Rathenau, Stefan George, Thomas Mann und Oswald Spengler werden hier z. T. gewürdigt, z. T. herabgesetzt und „entmannt”. Ein kleiner Gernegroß beschnuppert quasi die Ecksteine auf ihren geistigen Wegen und fühlt sich enttäuscht, denn er ist männlicher als alle Sechs.
Wes Geistes ist nun dieser „Übermann”? An welchem Maßstab mißt er die Männlichkeit jener Berühmtheiten?
Thiel gibt sich als einen Vertreter einer neuen und besseren Zeit: er ist einer, „der noch an den Willen glaubt, aber nicht mehr, nicht mehr nur ans Wissen glaubt; er ist für den höchsten Mannesstolz, der Gesetze schafft, statt Gesetze zu erforschen; der Macht will statt Beglückung und Erhaltung; Krieg führen will gegen Schicksal und Natur, gegen das Ewig-Weibliche. Wir müssen höhere Menschen werden. Alles Mittelmäßige ist unser Feind. Die faustische Zivilisation wird die sozialen Aufgaben — es sind nicht einmal sehr schwierige Aufgaben — lösen. Die junge Generation wird alles das, was unseren unmännlichen Vätern Angst gemacht hat, mit Inbrunst lieben und mit Stolz bekräftigen: die sexuelle Lust, den Angriffsgeist, den Haß, die Grausamkeit, den Egoismus”.
Wille, Stolz, Macht, Angriffsgeist, Haß, Grausamkeit, Egoismus! Ein ziemlich barbarisches Programm, dem man den Ursprung aus einem mißverstandenen Nietzsche anmerkt, der auch reichlich zitiert wird, weniger aus seiner Zeit genialer, übrigens mit der Psychoanalyse vielfach übereinstimmender Psychologie, als aus seiner Zeit präparalytischen Überschwangs.
Mit diesem Programm eines Barbaren wird es hoffentlich schwer sein, Schule zu machen; es ist beruhigend, zu hoffen, daß Thiel bleibt — ein Mann ohne Generation.
Über Weltanschauliches läßt sich nicht gut streiten; aber die Art, wie Thiel jene von ihm scheinbar entwerteten Persönlichkeiten belehren will, wirkt abstoßend. Ihm fehlt die Ehrfurcht vor der Persönlichkeit und ihrem Werden; er denkt nicht daran, daß sie jeweils aus Angeborenem und Erl