You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der gesunde Mensch ist schön und sein Zustandekommen erstrebenswert. Aber es muß ein bißchen irgendwelcher Krankheit in ihn kommen, damit er auch geistig schön werde.
Der Maler, Zeichner und Schriftsteller Alfred Kubin hat in den letzten Jahren einen immer noch wachsenden Kreis von Freunden und Bewunderern um sich zu scharen gewußt. Es ist zweifellos etwas geradezu Geheimnisvolles, seltsam Anziehendes, man möchte sagen Suggestives in seiner Persönlichkeit und mehr noch in seinem Werk, das vielfältig erscheint, und doch immer wieder eigentlich dasselbe aussagt. Kubins Werk, sowohl das literarische als auch das bildnerische, durch das er ja besonders bekannt geworden ist, ist das Werk eines Träumers, eines ausgesprochenen Tagträumers, eines Phantasten. Die Konfliktströmungen eines merkwürdigen Seelenlebens finden in diesen Phantasien ihren Niederschlag, die dem Leser oder Betrachter auf den ersten Blick unheimlich, ja ausgesprochen krankhaft erscheinen mögen. Es ist nicht zu leugnen, daß hier zwischen Leben und Werk seltsam geschlungene, unlösbare Fäden hin und her gehen; auch bei ihm wirken Erlebnisse und Eindrücke, die der frühen Kindheit angehören, äußerst intensiv nach. Um dies aufzuzeigen, müssen wir uns notgedrungen zuvor in des Künstlers Leben umsehen.
Alfred Kubin wurde 1877 in Leitmeritz in Böhmen geboren. Bald zog er mit seiner Mutter nach Salzburg. Dort in Salzburg sah er zum ersten Male seinen Vater, einen ehemaligen Jägeroffizier, der nach dem 66er Feldzuge als Geometer in den Staatsdienst trat, der ihn solange von seiner Familie fernhielt. Der Knabe hatte sich inzwischen außerordentlich an die immerwährende Nähe der Mutter gewöhnt und der Vater,