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Die Beziehungen zwischen Geld und Neurose bildeten den Gegenstand einer wertvollen Arbeit des französischen Psychoanalytikers Charles Odier, deren Inhalt in dieser Zeitschrift (Band III, 1931, S. 173 ff) sehr verkürzt referiert worden ist. In einem materialreichen Nachtrag zu dieser großen Arbeit beschäftigt sich Odier neuerdings mit dem Einfluß von Geld und Geldeswert auf den normalen und den neurotischen Charakter und greift aus der Fülle der Erscheinungen das für viele Menschen typische Phänomen heraus, daß sie auf kleine Vorteile besonders erpicht sind, während sie in großen und entscheidenden Fragen oft die gegenteilige Haltung großzügiger Generosität an den Tag legen.
Man erinnert sich, daß Odier den auf Nehmen und Besitzen gerichteten Strebungen eine bedeutende Rolle im Leben des Einzelnen und der Gesellschaft zuschreibt, Strebungen, deren Widerstand gegen die sekundären, auf das Geben und Schenken gerichteten Tendenzen bei zahlreichen Menschen zu Störungen ihrer Realitätsanpassung führt. Der Ausgleich zwischen dem primitiveren „System C. P.” (captatio-possessio) und dem „System O.” (oblatio) ist nach Odier eine wesentliche Voraussetzung für eine vernünftige Haltung des Erwachsenen in allen Fragen des Besitzes, ein Kompromiß, das sich etwa so ausdrücken läßt, daß die rechte Hand immer etwas gibt und die linke nicht alles Gegebene zurücknimmt. Die Analysen auch von Gesunden deuten darauf hin, daß die Entwicklung voller Sozialität in der Besitzfrage wahrscheinlich nur einer Minderheit von Menschen unserer Kultur gelingt, daß im Geheimen, zum mindesten in der Phantasie, die Mehrheit asozial bleibt, d. h. den Übergang zu voller Gleichgewichtslage zwischen Nehmen und Geben nicht hat finden können. Man erinnert sich unwillkürlich an Freuds Ausspruch, daß Geld- und Liebesdinge diejenigen seien, in denen den Menschen die Aufrichtigkeit am schwersten fällt.
Während ernstliche Erschütterungen des Gleichgewichts zwischen Nehmen und Geben beim sozial angepaßten Menschen ni