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Da ich also Mitteilung machen will von einem Vorfall während einer Psychoanalyse, fühle ich zuerst ein Widerstreben, mich selbst in einem beunruhigten Seelenzustand und als nicht unfehlbar zu entblößen. Aber es ist notwendig!
Tags vorher um die Mittagszeit telefoniert man mir, es sei ein Expreß-Brief im Spital abgegeben worden. Ich antworte, man solle ihn hinterlegen; ich würde nachmittags um ihn schicken; aber ich vergaß daran bis früh am Morgen, wo der dringende Brief mir unter Selbstvorwürfen wieder einfiel.
Ich beschloß, ihn von der einkaufenden Hausgehilfin abholen zu lassen, die etwa um 9 Uhr das Haus verläßt. Der Brief ging mir aber nicht recht aus dem Kopf; ich dachte daran, daß es einfacher wäre und rascher erledigt, wenn ich den Beamten dort in der Aufnahmskanzlei telefonisch bäte, mir den Brief vorzulesen. Was konnte er schon an Geheimnissen enthalten!?
Als aber um 8 Uhr ein Patient in die Psychoanalyse kam, mußte dies aufgeschoben werden. Als die Stunde zu Ende ging, wurde ich unruhig, überlegte, wollte den Abgang der Hausgehilfin nicht versäumen, um sie — wenn ich mit Erfolg telefoniert hätte — nicht unnötig hinzuschicken, da doch abends eine Sitzung im Spital stattfand, wobei ich den Brief von dort mitnehmen konnte.
Da überraschte mich der Analysand mit der ungewönlichen Frage: ‚Haben Sie nicht eben vorher von einem Brief gesprochen?’
Nicht ohne Schuldgefühl, weil ich eben intensiv an die Erledigung jenes Expreß-Briefes dachte, der mich also von dem Traum, der gerade Gegenstand der Analyse war, weggezogen hatte — war ich sofort geneigt, die Folgen einer Gedankenübertragung des Themas „Brief”, das so nagend in mir fraß, auf die offene Seele des in ambivalenter, mehr positiver Übertragung stehenden, jungen, passiv-femininen Patienten zu vermuten.