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Diese Kasuistik, von einem einfachen Landarzt, der aber an die Psychoanalyse bedingungslos glaubt, Prof. Freud mitgeteilt, zeigt den Wert psychoanalytischen Verstehens auch in der Alltags-Praxis. Die Tatsache analerotischer, erblicher Veranlagung und ihre Bedeutung für die Charakterbildung wie für Erkrankungen gehen aus dem Briefe des über den Durchschnitt gebildeten und scharfsinnigen Arztes hervor. Freuds „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie” und „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanlyse” müßte jeder Arzt gelesen haben.
„Vor einigen Tagen kam ein etwa 53 jähriger Bauer in meine Ordination mit der Angabe, er habe sich vor 3 Tagen ein Holz in den Anus gesteckt. Rationalisierung: wegen Diarrhoe. Frage — ob das strafbar sei? Die sofort vorgenommene Operation ergab ein zylindrisches Spundholz von gewaltigen Dimensionen: Länge etwa 15 cm, Durchmesser ca. 5 cm. Der Mann ist derzeit an Sepsis schwer erkrankt, denn die Schleimhaut war vollständig zerfetzt. Das Holzstück, das bis zum Sigmoideum hinaufgerutscht war, mußte durch einen „Kraske” entfernt werden. Ich habe über den Pat. folgendes zu berichten: Eltern waren die reichsten Bauern im Bezirk. Der Vater ein typischer Harpagon. Er tat den Mund nicht auf, ohne daß eine Unflätigkeit herauskam. Ein ausgesprochener Analcharakter. Die Mutter ebenfalls krankhaft geizig. Die beiden lagen während ihres ganzen Lebens in Streit. Man hörte ihr Geschrei und Geschimpfe den ganzen Tag. Von 6 Kindern sind 3 normal und verheiratet. Die übrigen 3 Junggesellen und führen gemeinsam die Wirtschaft ohne weibliche Hilfskraft. Einer von ihnen ist der Patient. Sie vertragen sich recht gut. Als die Eltern vor 12 Jahren kurz hintereinander starben, betrat keiner der 3 Brüder das Krankenzimmer der Eltern. Der Haß der Söhne gegen die Eltern wurde so rationalisiert, daß der Vater kein Jota der Wirtschaft, auch kein Geld aus der Hand geben wollte, also seine Söhne verhindert habe zu heiraten und sich eine Existenz zu gründen. In Wirklichkeit st