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Vieles ist über das Verhältnis der Psychoanalyse zu den Sozialwissenschaften geschrieben worden. Viele Anwendungen der Psychoanalyse auf die Sozialwissenschaften sind auch ohne lange methodologische Vorüberlegungen versucht worden. Dennoch herrschen hier über die Grundfragen noch viele Unklarheiten und widersprechende Ansichten. Das hängt wohl u. a. damit zusammen, daß man soziale Grenzgebiete nicht angreifen kann, ohne auch im Streit der soziologischen Meinungen Partei zu ergreifen.
Die Arbeit von Fromm bringt eine außerordentlich erfreuliche Klärung. Sie läßt erstens erkennen, wie viel systematische wissenschaftliche Arbeit hier noch zu leisten ist, und zwar von Forschern, die das Feld der Psychoanalyse ebenso beherrschen wie das der Soziologie; sodann aber, wie wenige von den bis jetzt vorliegenden Arbeiten zur analytischen Sozialpsychologie einer grundlegenden methodologischen Kritik standhalten. Es ist kein Zweifel, daß dieser Umstand nicht sehr zum Ansehen der Psychoanalyse bei den Vertretern anderer Fachgebiete beiträgt, und es ist zu hoffen, daß Untersuchungen wie die von Fromm dazu beitragen, Mißverständnisse aus der Welt zu schaffen, oder wenigstens klar heraus zu arbeiten, wo die Wege einer methodologisch sauberen Anwendung der Psychoanalyse auf soziale Probleme sich von denen von Autoren trennen, denen nach der Meinung Fromms und der mit ihm einverstandenen Analytiker an Klarheit und Sauberkeit der Methodik weniger gelegen ist.
Die materialistische Orientierung der Analyse — sie erklärt die seelischen Erscheinungen aus den Einwirkungen der Umwelt auf primitive triebhafte Lebensbedürfnisse — und ihre historische Methodik — sie fordert Verständnis der Triebstruktur aus dem Lebensschicksal — bewirken, daß die Soziologie, die mit ihr die meisten Berührungspunkte