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Je tiefer wir in das Studium der seelischen Vorgänge eindringen, desto mehr erkennen wir deren Reichhaltigkeit und Verwicklung. Manche einfache Formel, die uns anfangs zu entsprechen schien, hat sich später als unzureichend herausgestellt. Wir werden nicht müde, sie abzuändern und zu verbessern.
Der Inhalt des neuen Buches von Freud entspricht der Doppeldeutigkeit des Wortes „Folge”. In vieler Hinsicht ist das Buch eine neue Auflage, in vieler anderer eine Fortsetzung des Inhaltes der alten Vorlesungen. Zwischen den ersten und den neuen Vorlesungen liegt ein Zeitraum von sechzehn und siebzehn Jahren. — Die ersten Vorlesungen gelten uns bekanntlich als das Vollendetste an großzügiger Darstellung der analytischen Erkenntnisse. Die drei Vorlesungen über die Fehlleistung, die elf über den Traum, die dreizehn über die allgemeine Neurosenlehre zeichnen in kräftig gezogenen Linien das Grundgerüst des psychoanalytischen Lehrgebäudes. Mit einer freundlichen Gewalt des Denkens, der man sich zwingend unterwerfen muß, führt Freud darin die Wege, die er in die Dickichte des Unerkannten, des Abgewiesenen, des Vorverurteilten geschlagen hat. Ihm in seiner Darstellung folgen, heißt das Erlebnis des Lichtwerdens im Wissen aus dem Dunkel des Nichterkannten mitfühlen, mitdenken, mitsehen. In keiner Darstellung auf wissenschaftlichem Gebiet ist je dieses Erlebnis so erschütternd vermittelt worden wie in den ersten Vorlesungen. Man merkt, die Arbeit stammt noch aus einer kämpferischen Zeit der Analyse, und dem Kampf, der Offensive darin verdankt sie ihre gehobene, geläutert klare, überzeugungskräftige Darstellung.
Die erste Vorlesung der Neuen Folge, die „Revision der Traumlehre” setzt im Gegensatz dazu mit behaglicher Gelassenheit ein; man spürt das Geschlossen-Feste gerade dieses Wissensgebietes der Analyse