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Daß Literaturhistoriker sich auf das Heftigste gegen die Anwendung der Wissenschaft vom seelisch Unbewußten auf die Darstellung der Entwicklung und Äußerung einer Künstlerpersönlichkeit sträuben, ist eine so banale Tatsache, daß sie an sich gewiß nicht der Erwähnung wert ist; wir wissen aber auch zur Genüge, daß immer wieder fruchtbare Versuche unternommen werden, in kunstpsychologischen Arbeiten von der Konstitution des Künstlers zu sprechen und die sich daraus für sein Werk ergebenden Folgen aufzuzeigen. Ein Novum dürfte jedoch in der Tatsache gesehen werden können, daß ein Biograph durch über zweihundert Seiten das Leben seines Dichterhelden schildert, um dann auf Seite 228, wenn auch in abgeschwächter Form, einzugestehen, daß es vielleicht” klug wäre, das Folgende mit einer anderen Methodik zu durchforschen, als es jene ist, die er bisher gehandhabt hat; mit Hilfe der Psychoanalyse müsse es gelingen, die Lösung seines Problems zu finden.
Dieses gewiß mutige Geständnis oder Bekenntnis finden wir in Boris de Schloezers Studie über „Gogol” (Verlag Plon, Paris 1932), in der es auf Seite 228 heißt; „Ich glaube, es wäre interessant, die Freudsche Methode auf die Analyse der Schriften von Gogol anzuwenden; ein solcher Versuch ist meines Wissens noch niemals unternommen worden”. Dieses „es wäre interessant” sind gleichsam zwei Schritte nach vorwärts; daher geht er schleunigst wieder einen zurück: „Man müßte dabei natürlich mit einem Zartgefühl vorgehen, an das uns Freud und seine Schüler nicht gewöhnt haben”. Damit ist jeder billige Einwand gegen den Mut des Wissenschaftlers zurückgewiesen und er kann zugeben: „Die Theorie von der Verdrängung könnte uns indes dazu verhelfen, zum Beispiel die „Nase” zu entziffern. Wenn man sich an die Freudsche Symbolik erinnert, und im besondern an die Bedeutung, die in ihr die Nase hat, dann bekommt das Abenteuer Kowalioffs, der glaubt, dieses Organ verloren zu haben, der ihm nachjagt, sich einbildet, daß seine Nase ihm verlorengegangen