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Um die Bedeutung eines Einzelnen für die Wissenschaft oder eines ihrer Teilgebiete konstruktiv zu erfassen, wäre es von Wichtigkeit, vorerst den Stand dieser Wissenschaft vor dem Auftauchen jenes Einzelnen, und dann die unter seinem Einfluß stattgehabten Veränderungen darzustellen. Doch selbst eine solche Schilderung wäre kaum imstande, ein tieferes Kausalitätsbedürfnis zufriedenzustellen. Es müßte genau festgelegt werden, ob ein konstruktiver Kopf bloß bereits vorhandenes Material fruchtbringend zusammengefaßt hat, oder ob ein wunderbares geistiges Licht meteorhaft aufblitzend eine ahnungslose, unvorbereitete Welt erhellte. Schließlich drängt sich auch die Frage auf, inwieweit Finderglück und in welchem Ausmaße besondere persönliche Eigenschaften als entscheidende Faktoren bei der Entdeckung einer neuen Wissenschaft und ihrer theoretischen Formulierung mitwirkten. Wurde die Untersuchung bis zu diesem Punkte geführt, erübrigt immer noch die Aufgabe, diese Beiträge durch eine Art Persönlichkeits-Studie zu ergänzen.
Bei der Darstellung von Freuds Einfluß auf die Medizin muß ich mich auf Bemerkungen über diese Probleme beschränken, vor allem jedoch die Begleitumstände auseinandersetzen. Ein Zufall war es zweifellos, daß der verdiente Wiener Arzt Dr. Josef Breuer eine intelligente Patientin in hypnotischer Behandlung hatte, der die günstige Wirkung auffiel, die das Aussprechen ihrer Fantasien auf ihren Zustand hervorrief, und die die Aufmerksamkeit ihres Arztes auf diese Beobachtung lenkte. Buchstäblich genommen ist sie die Entdeckerin der ursprünglichen kathartischen Methode. Ein Zufall war es ferner, der später Sigmund Freud in persönliche Berührung mit Breuer brachte. Sicherlich jedoch geschah es keineswegs zufällig, daß Breuer, trotz tiefer Einsicht in die psychologische und pathologische Tragweite dieser Entdeckung, sein Interesse bald von diesen Problemen abwendete und sich Freud und dessen weiteren Studien nicht mehr verband. Es ist kein Geheimnis