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Daß ein wirklicher lebendiger Psychoanalytiker, wie er Ihnen so oft als böser Menschenfresser dargestellt worden ist, sich ungehindert an die breite Öffentlichkeit wenden darf, das mag in gewissen Kreisen nicht geringe Bestürzung hervorrufen. Dieser Tatbestand zeigt, daß sowohl das Publikum als auch die Analytiker falsch beurteilt werden. In unserer Umwelt gibt es genug Schwierigkeiten. Wenn es zudem noch Wirrnisse und ungelöste Probleme in unserem Inneren gibt, wird eine Vogel Strauß-Politik, die sie hinwegleugnen möchte, weder in dem einen noch in dem anderen Falle nützen. Schwierigkeiten sind dazu da, um überwunden, nicht um ignoriert zu werden. Ich bitte Sie nun, das meiste, was Sie in der Tagespresse oder sonstwo über die Psychoanalyse gehört haben, zu vergessen. Es gibt da eine Menge Dinge, mit denen die Psychoanalyse nichts zu tun hat, und gerade die haben Sie über sie gelesen. Zum Beispiel glauben viele Leute, die Hauptweisheit der Psychoanalyse bestehe darin, ein schrankenloses Ausleben der Triebe zu befürworten. Tatsächlich aber gehört zu den unvermeidlichen Auswirkungen der Analyse eine Erhöhung der Selbstbeherrschung.
Was immer demnach die Psychoanalyse sein mag, es muß etwas Sonderbares um sie sein. Andere neue Ideen mögen leicht oder äußerst schwierig zu verstehen sein, sie werden doch nicht so grotesk mißverstanden oder ins genaue Gegenteil verkehrt wie diese. Hefür muß es einen Grund geben, und Sie werden bald erkennen, welchen. Lassen Sie uns mit einer genauen Definition des Begriffes „Psychoanalyse” beginnen: Der ursprüngliche Sinn des Wortes bedeutete einfach eine spezielle, von Professor Freud in Wien gefundene Methode der Behandlung einer bestimmten Art nervöser Störungen, doch wird es oft ganz richtig angewandt, als Gesamtbezeichnung der Erkenntnisse, die sich aus der Anwendung der Methode ergeben haben. Wäre dies Alles, dann würden Sie wohl mit Recht fragen, wozu man so viel Aufhebens mache von einer Sache, die bl