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Im allgemeinen betrachtet man das, was nur in der Phantasie existiert als irreal; in dem Titel meines Referates möchte ich jedoch auf die Tatsache hinweisen, daß der Mensch, ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, auch das Produkt seiner Einbildungskraft für real hält, und zwar in verschiedenem Ausmaße.
Im ersten Augenblick wird diese Behauptung befremden, den niemand unter uns wird das für Wirklichkeit halten, was unsere Phantasie schafft. Wir wollen zunächst von den Psychosen absehen, in denen der Autismus in des Wortes strenger Bedeutung dominiert. Das Individuum hält in diesem Falle tatsächlich und bewußt ein bloß psychisches Produkt für real und in Bezug auf nicht psychotische Individuen müssen wir uns natürlich vor Augen halten, daß diese sofort den Inhalt ihrer Phantasien als irreal von objektiven, daher in materieller Hinsicht realen Tatsachen unterscheiden, aber das hindert nicht, daß die Betreffenden gleichzeitig auch den Inhalt ihrer Phantasien für real halten können.
Wir wissen nämlich, daß die psychische Einheitlichkeit in keinem Individuum vollkommen ist. In jedem sind verschiedene Tendenzen wirksam, die auch zu einander in Gegensatz stehen, was Konflikte hervorruft. Wir kennen Konflikte verschiedener Art, die wir auch in topischer Hinsicht von einander unterscheiden können. Aus unbewußten Konflikten zwischen topisch verschiedenen Tendenzen ergeben sich bekanntlich mannigfache neurotische Affektionen, die daher neurotische Konflikte genannt werden. Es gibt auch bewußte Konflikte, die jedoch keine Neurosen hervorrufen. Es kommt aber vor, daß Tendenzen, die offenbar mit einander unvereinbar sind, neben einander bestehen können, ohne Konflikte zu erzeugen. Nur so ist es möglich, daß ein Individuum psychische Einstellungen hat, die einander entgegengesetzt sind, ohne irgend eine Störung dabei zu empfinden.