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Im Jahre 1923 habe ich eine Biographie Freuds veröffentlicht, die 1924 in englischer Übersetzung erschien1. Das Buch hat in wissenschaftlichen Kreisen einige Beachtung gefunden und wird bis auf den heutigen Tag von Psychologen in ihren Vorlesungen und Veröffentlichungen zitiert. Ich habe Grund zu fürchten, daß manche Psychologen, die dem Gebiete der Psychoanalyse ferner stehen, fast ihre gesamte Kenntnis dieses Faches meinem Buche entnehmen. Das ist mir nicht lieb; denn ich habe meine Meinung über Psychoanalyse und deren Begründer in den zehn Jahren, die seit dem Erscheinen des Buches verstrichen sind, in vielen Punkten geändert und will nicht Gewährsmann sein für Irrtümer und Entstellungen, die ich als solche erkannt habe.
Eine zweite umgearbeitete Auflage schien zunächst der einfachste Ausweg zu sein. Ich wurde wiederholt von amerikanischen Verlegern aufgefordert, das Buch verändert und ergänzt neu heraus zu bringen. Als ich aber das Buch in dieser Absicht durchnahm, erkannte ich, daß es für mich ein Ding der Unmöglichkeit ist, das Werk so umzugestalten, daß es meiner gegenwärtigen Stellung zu Freud und seiner Schule, der ich ja selber angehöre, entsprechenden Ausdruck gebe. Der Ton des Buches ist ein Musterbeispiel von Ambivalenz, und so damit durchsetzt, daß ich sie nicht ausmerzen kann. Stellen, in denen ich Freud hohe Verehrung zolle, wechseln ab mit anderen, die tief verletzend sind — nicht wissenschaftlich verletzend, was sich jeder Gelehrte gefallen lassen muß, sondern persönlich verletzend und das auf Grund von Informationen, die ich seither, teilweise am eigenen Leibe, als unrichtig erkannt habe. Das Buch ist so geschrieben, daß es jedem willkommen sein muß, der Rationalisierung für seine eigene ambivalente Einstellung zur Psychoanalyse sucht. Ich habe dem Wandel