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Wir entnehmen das Folgende dem Kapitel „Der Komponist” von Dr. Elsa Bienenfeld (Wien), in der „Festschrift für Felix Weingartner zu seinem 70. Geburtstage” (Verlag Henning-Oppermann, Basel, 1933).
Weingartners Kompositionsbegabung zeigte sich früh. Den ersten Klavierunterricht, die Einführung in die Musik, und offenbar auch die musikalische Begabung emfing er von seiner Mutter, deren sonst enge Geistigkeit und erzieherische Härte ihn zugleich zum Widerspruch reizten.
Das Textbuch „Kain und Abel”, das Weingartner in jungen Jahren (vor dem 25. Jahr) entwarf, gehört zu den aufschlußreichsten Übergangswerken sowohl in der Geschichte der Oper wie in der Geschichte der Seelenforschung. Weingartner nahm die Byron'sche Fassung zur Vorlage, führte aber als neuen Leitgedanken den Brudermord auf die Urmacht des Liebestriebes zurück, der in Kains Verhältnis zur Mutter vorbestimmt erscheint und in der Vergewaltigung der Schwester durchbricht. Schon psychologisch ist es fesselnd, wie Weingartner den Brudermord deutet. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein Bericht Weingartners über ein eigenes Kindheitserlebnis. Ein älterer Bruder war zwei Jahre vor Felix' Geburt gestorben. Der frühzeitige Tod von Weingartners Vater erneuerte den Schmerz der Mutter, dieses Kind verloren zu haben, dessen liebenswerte Eigenschaften sie immer wieder als Mutter hinstellte. Zum Gefühl der Zurücksetzung gesellte sich im jüngeren Bruder eine Art Eifersucht gegen den Verstorbenen; Weingartner bekennt, daß ihm, als er etwa fünf Jahre zählte, der Bruder mit verbundenem Kopf im Traum erschienen sei, und er ihm heftige Vorwürfe machte, daß jener ihm die Liebe seiner Mutter entzöge, dann nach der Erscheinung einen Schlag führte und in Schweiß gebadet, erwachte. Er brachte es nicht über sich, der Mutter den Traum zu erzählen. Wenige Tage später erfaßte ihn am Grabe des Bruders eine so unbezähmbare Wut, daß er einen Schlag gegen das Grabkreuz führte, so daß dieses umfiel, worauf er augenblicklich tiefe Reue fühlt