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In der angesehenen Zeitschrift für Literaturgeschichte „Euphorion” (34. Bd. 1. Heft, Stuttgart 1933) veröffentlicht Hermann Pongs eine Abhandlung über Psychoanalyse und Dichtung. Ausgangspunkt ist ihm die fast ausnahmslos ambivalente Grundhaltung der Literarhistoriker zur Psychoanalyse, „die zu ihrer Erklärung selbst vielleicht schon der Tiefenpsychologie bedarf.” Objektive Einsicht in die Berechtigung der Ansprüche der Psa. scheint dem Autor nur möglich zu sein vom übergeordneten Gesamtbegriff der Existenz aus; dieser Lebensbegriff, in dem sich Psa. und Dichtung unmittelbar berühren, ist das Unbewußte. Die Psa. bekennt sich selbst zu dieser existenziellen Basis, indem sie als Wissenschaft vom Unbewußt-Seelischen Gestalten und Motive der Dichtung in ihr Forschungsgebiet einbezieht. Hier besteht aber, meint Pongs, die Gefahr, daß diese ursprünglich rein ärztliche Disziplin das Dichterische in das Neurotische aufgehen läßt. Deshalb muß das in der Dichtung durch das Einmalig-Schöpferische der Persönlichkeit Gestalt gewordene Unbewußte aufs bestimmteste davon abgetrennt werden. Der Verf. geht nun daran, jene Werke Freuds, die Beziehungen zur Dichtung aufweisen, einer Betrachtung zu unterziehen, und es muß hier gesagt werden, daß dies mit bemerkenswerter Sachkenntnis und in durchaus würdiger Form geschieht. Von der „Traumdeutung” führt der Weg unmittelbar zur „Gradiva”-Arbeit. „Dies von Jensen intuitiv erfaßte Spiel des Unbewußten durch kluge Analyse aufzudecken, ist Freuds Meisterleistung, die sich weit interessanter liest als Jensens Novelle mit ihrem Gartenlaubenschluß.” Daß die Tiefenpsychologie im Typischen bleibt und uns nicht das Charakterologisch-Besondere des Helden, das sich in seinen Erlebnissen und Handlungen äußert, nahebringt, macht allerdings der Literarhistoriker Freud zum Vorwurf. Hier sei Gelegenheit, die zwiespältige Haltung zur Psa. zu erklären. Wertvoll seien zweifellos die Einblicke in die Wirklichkeit des Unbewußten, die man der Psa. verdanke, aber