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Die Tendenz der Arbeit richtet sich gegen den Rationalismus der Psychoanalyse, denn der mehrschichtige Pensönlichkeitsaufbau und vor allem seine Entwickelung sei verstandesmäßig nicht zu erklären, etwa aus bestimmten Triebschicksalen oder Erlebnismomenten, — genau wie die Entwicklung eines Blütenstrauches aus einem Samenkorn jeder verständlichen Erklärung trotze.
Nur beim Psychopathen, bei gewissen neurotischen Naturen, habe es Geltung, daß die Persönlichkeitsentwicklung Ergebnis eines verstandesmäßig faßbaren Schicksals sei, z. B. bedingt durch den Ödipuskomplex; hier trete die lebendige Eigengesetzlichkeit zurück.
Die Lebensentwicklung des Gesunden jedoch folge vielmehr irrationalen Anlagegesetzen, je erdhafter er sei, desto mehr. Auch in der Persönlichkeitsforschung müsse das Irrationale den ihm gebührenden Platz einnehmen, „die lebendige Entwicklung liege jenseits allen rationalen Verständnisses”.
Die Psychoanalyse präge dem Gesunden irrtümlich Gesetzmäßigkeiten des Abnormen auf. Für die gesunde Charakterentwicklung sei die rationalisierende Tendenz abzulehnen.
Diese Grenze zwischen Gesunden und Kranken zu ziehen, ihnen verschiedene Wachstumsgesetze zuzumuten, ist natürlich ein Irrtum. Gewiß ist die Anlage, so gewichtig sie in Betracht kommt, praktisch nicht recht faßbar oder meßbar. Aber das Erlebnis, das Schicksal in der Psychogenese des „Normalen” ist genau so erkennbar, verstandesmäßig faßbar, wie beim Kranken. Beide haben dieselben Komplexe zu überwinden. Vielfach machen die Quantitäten die Unterschiede. Man vergleiche z. B. die Entwicklung des Überichs beim Gesunden und Kranken. Aber dazu sind eben Analysen an Gesunden gleichfalls zu üben, wozu wir Psychoanalytiker in den Lehranalysen genügend Gelegenheit für Erfahrungen finden.
E. H.