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Vortrag, gehalten im „Wiener Goethe-Verein”, den 4. Februar 1933.
Meine Damen und Herren!
Wenn wir für eine geraume Zeit auf den klassischen Boden von Weimar und zu seiner Blütezeit zurückkehren wollen, mag es nicht unangepaßt sein, mit einem bekannten Satz von Schiller zu beginnen.
„Wenn die Könige bau'n, haben die Kärrner zu tun.”
Der Mann aber, der heute im Mittelpunkt unseres Interesses stehen soll, Johann Peter Eckermann, ist kein gewöhnlicher Kärrner und nicht mit Massenpsychologie abzutun.
Er durfte sich ja Goethes Freund und Mitarbeiter nennen, einer Gilde von Menschen zugehörig, die trotz des demokratischen Fortschrittes der Zeiten noch immer nicht organisiert sind. Die Freunde und Mitarbeiter der großen Geister haben noch keine Gewerkschaft.
Vielleicht gerade darum gehört die Beziehung Jünger und Meister, freiwilliger Mitarbeiter und führender Geist zu den schönsten menschlichen Beziehungen. Vermutlich gelingt es uns bei der Betrachtung des Verhältnisses Eckermanns zu Goethe auch Generelles über die tieferen Zusammenhänge solcher Beziehungen festzustellen.
Der gemeinsame Zweck, den Goethes und Eckermanns Zusammenarbeit verfolgte, war nicht — wie sonst oft — eine wissenschaftliche Lehre oder der Dienst an einer politischen Partei, sondern erstens die Vollendung des Königsbaues des Goetheschen Werkes und zweitens die Fertigstellung jenes auf Eckermanns Initiative zurückgehenden, später so weltberühmten Buches: „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens” von J. P. Eckermann.
Die Gespräche mit Eckermann hat Nietzsche das beste deutsche Buch genannt, es gehört zu den vielgelesensten und gilt so manchem als Brevier, aus dem er des Abends Worte der Weisheit holt oder seine Freude an der Gestalt des großen Universellen, des Kosmopoliten, des Humanisten erneuert. Der Leser betritt das Haus Goethes, sieht und hört ihn wie leibhaftig, so meisterhaft hat Eckermann die Gestalt und das Wort seines großen geliebten Meisters festgehalten.