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Unter dem Titel „Ein Sturmwind von Jamaica” erschien vor kurzer Zeit die recht mangelhafte Übersetzung des englischen Romanes „A high wind in Jamaica” von Richard Hughes. Als mangelhaft müssen wir die Übersetzung nicht so sehr wegen etwaiger Fragen des Ausdrucks, des Stils bezeichnen, als wegen der Willkür, mit welcher Übersetzer oder Verlag Absätze, Seiten, ja beinahe ganze Kapitel des Originales ausgelassen haben; meistens gerade diejenigen Teile, welche von einem besonders tiefgehenden und in der Literatur bis dahin unbekannten psychologischen Verständnis von Hughes Zeugnis ablegen. Das Buch fand geteilte Aufnahme: einerseits erregte es außerordentliche Begeisterung, andererseits wurde es von Vielen als uninteressant, unmöglichj ja unsinnig abgelehnt. Derlei Reaktionen kennen wir gut; sie verraten uns affektive Widerstände.
Den Psychoanalytiker interessiert an diesem Buche eine außerordentliche, in der Literatur und auch in der Vulgärpsychologie sonst nicht übliche Einsicht in die Mechanismen, eine Kenntnis der Stadien der kindlichen seelischen Entwicklung, die wir bisher in diesem Ausmaße als ein Reservat der Psychoanalyse anzusehen gewohnt waren.
Es wäre lohnend, in ausführlicher Darstellung jede einzelne Figur des Romanes analytisch zu betrachten; räumliche Bedenken verbieten das, weil das Resultat den Roman von Hughes an Umfang um ein Mehrfaches übertreffen würde. Ich verweise jedoch auf eine noch nicht veröffentlichte Studie von Steff Bornstein über den Hauptcharakter des Buches, Emily. Ich selber muß mir versagen, auf die einzelnen Charaktere irgendwie näher einzugehen, ich kann sie nur soweit streifen, als dies zur Erläuterung meiner Betrachtungen notwendig ist. Diese Betrachtungen befassen sich mit der Frage: woher nimmt ein der Analyse Fernstehender die psychologischen Erkenntnisse, die in diesem Buche enthalten sind und wie kommt er dazu, ein solches Buch zu schreiben.
Dazu ist es leider nicht zu umgehen, den Inhalt des Buches — so kurz wie möglich zusamme