You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Autor handelt von einer sozusagen „physiologischen Form weiblicher Homosexualität”, die sich schon in der größeren Intimität der kleinen und größeren Mädchen zeigt, wo Berührungen und Küsse, miteinander Tanzen, ja Teilen des Schlafzimmers oder Bettes so geläufig sind. Diese forme-fruste-Homosexualität, von der sich die Mädchen oft erst spät, wenn überhaupt zu lösen vermögen, führt der Autor auf die alleinige Erziehung bis zu sechs und acht Jahren durch die Mutter zurück, „in jener wichtigen Periode, hinter deren Vorhang bisher nur die Psychoanalyse in das Allerheiligste der Persönlichkeitsschöpfung zu dringen vermocht hat.”
Es ist leicht einzusehen, wie ungeheuer günstig es anderseits für die spätere sexuelle Entwicklung der Knaben und ihre definitive Bindung ist, daß sie in ihren jüngsten Jahren ihre physio- und psychosexuellen Impulse in einem heterosexuellen Milieu von einer Person entgegengesetzten Geschlechtes empfangen.
Aber die Mädchen wachsen in einer Atmosphäre auf, die geprägt ist von dem intimsten Umgang mit einer Person gleichen Geschlechts, und zwar gerade in den wichtigsten Jahren, die von der Suprematie des Unbewußten und der Determinabilität des Psychischen beherrscht sind.
Zum Schluß äußert der Autor die Vermutung, daß hier vielleicht das frühere aktivere Eingreifen des Vaters in die Erziehung der Tochter imstande sein würde, sie zu der reineren, differenzierteren heterosexuellen Einstellung zu führen, dem Typ, der sicherlich das zur größten entwicklungsmäßigen Vollkommenheit gelangte Individium repräsentiert. — Der Verfasser begnügt sich mit dieser mehr oberflächlichen Darstellung, Ableitung und Beratung, zitiert aber Fenichels Neurosenlehre, wo auf die präödipale Mutterbindung und die tieferen Bearbeitungen dieser Frage hingewiesen ist. (II. Bd., S. 17.)
E. H.