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Es ist schwer, es den Lesern von Biographien recht zu tun. Viele wollen de mortuis nil nisi bene hören; andere doch auch Erklärendes, und nicht nur Beschreibendes. Unsere tiefenpsychologischen Deutungen sind nicht allen Lesern verständlich und nur für die Analytiker zu drucken, belohnt nicht den Verleger. Laforgues mutiges Buch, das alle Schleier entfernt, gibt eine willkommene psychoanalytische Ergänzung zu dem allgemein verständlichen und doch nicht oberflächlichen Buch von François Porché: „Der Leidensweg des Dichters Baudelaire.”
Laforgue wendet seine große psychoanalytische Erfahrung auf die Erklärung der Eigenart dieses pathologischen Dichters an, dessen Dichtung er durchstudiert hat. Die tiefschürfende Arbeit hebt besonders den Masochismus und den Mechanismus der Selbstbestrafung bei Baudelaire hervor und widmet dem Ödipuskomplex sowie der sexuellen Hemmung eigene Kapitel. Es ergeben sich wertvolle Betrachtungen zur Psychologie der künstlerischen Schöpfung und der Neurose vom sozialen Standpunkt.
Hier gehen die Intentionen des Buches weit über eine psychoanalytische Einzeldarstellung hinaus. Laforgue sieht in Baudelaires Schicksal ein ausgezeichnetes Beispiel für den Fall jener verbrecherischen Neurotiker, die ihr Verbrechen lediglich deshalb begehen, damit sie zuerst die Wollust der Angst und dann die der Reue und der Strafe empfinden. Das blinde System von Rache und Strafe aber, wie es heute noch die Allgemeinheit den „Verbrechern” vom Typus Baudelaire gegenüber ausübt — analog wie sein Stiefvater gegen ihn —, wie es auch Erzieher und sogar Ärzte gegen Masochisten ausüben, müsse einem einsichtigeren Verfahren Platz machen!
„Wir halten uns für berechtigt”, schließt der Autor sein vielseitiges, anregendes Buch, „eine vollständige Umwälzung in der gesamten Psychologie des Verbrechens und im Gebrauch der Mittel zu seiner Unterdrückung schon für die nächste Zeit vorauszusehen. Und gerade um dieser Entwicklung zum Durchbruch zu verhelfen, haben wir diese Zeilen gesc