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Eine biologische Erklärung der libidinösen Verhaltensweisen ist entweder notgedrungen apsychologisch, z. B. behaviouristisch, oder sie ist psychologiskonstruktiv, d. h. unter Gesichtspunkten heteronomer Art erfolgend, — oder sie geht auf den Menschen, letzten Endes auf das Selbsterleben, die Introspektion zurück. Denn nur in dieser sind deskriptive psychische Sachverhalte unmittelbar gegeben. Die psychologische Interpretation der Libido ist insofern anthropomorphistisch und ohne letzten übergreifenden Erklärungsanspruch. Aber sie ist durch keine biologische Konstruktion ersetzbar.
Die somatogene Verwobenheit und Abhängigkeit der Libidophänomene ist jedoch niemals von der Psychologie her sinnvoll zu machen oder zu deuten: sie weist auf den biologischen Aspekt als den übergeordneten hin.
Der Verbindung zwischen den im Erleben gegebenen Daten und dem übergeordneten biologischen Erklärungsgesichtspunkt dient die psychologische Libidotheorie; sie enthält phänomenale, konstruktive und apsychologische Momente in unlösbarer Verknüpfung. Ihre „Tatbestände” sind insofern keine Tatbestände im Sinne naturwissenschaftlicher Erfahrungsdaten; sie enthalten immer bereits Momente einer (konstruktiv oder theoretisch geleiteten) Abstraktion.
Das allgemeine deskriptive Merkmal der gesamten Libidophänomene ist die Triebhaftigkeit. Triebhafte Phänomene sind „unmittelbar” gegeben, vor allem reflektierenden Bewußtsein. Sie sind „motivlos” (Hinweis auf das außerseelische vitale Radikal). Sie sind gerichtet; und im Trieberleben ist die Vorwegnahme des „Zieles” immanent. Das Triebsubjekt wird passiv erlebt („ich werde getrieben”). Das Triebziel wird in einer Veränderung des motorischen Zustands erlebt, als „Entspannung”, „Befriedigung” und als Sinn jener Reaktivbewegungen, die der „Ausdruck” des Triebes sind. Die vorweg erlebte Zielerreichung ist lustvoll; aber im Gegensatz zu den Affekten ist die Lust als zukünftige, nicht als gegenwärtige bestimmt. Sie liegt im Ziel, nicht im Triebe. Auch dies