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In dem Werk „Märchen der Azteken und Inka, Peruaner, Maya und Muisca”, übersetzt, eingeleitet und erläutert von W. Krickberg, Verlag E. Diederichs, Jena, 1928, findet sich in dem Kapitel „Muisca” ein Märchen, das die Entstehung der Menschen und die Schöpfung behandelt, und mit klaren Worten als Ursache den Inzest angibt. Muisca-Menschen hieß sich das Kulturvolk im kolumbischen Hochland, östlich vom Magdalenenstrom,
das die Spanier 1539 entdeckt haben. Die Muisca bildeten zwei kleine Staaten, jede mit einem anderen politischen Mittelpunkt; die nördlichen Muisca in Tunja, die südlichen, die eigentlichen Chibcha, in Bogota.
Das nachfolgende Märchen hat der Übersetzer Krickberg folgendem Werk entnommen: „Pedro Simon, Noticias historiales de las conquistas de tierra firme en las Indias occidentales”. Herausgegeben von Medardo Rivas, (Obras historicas de Colombia.) Band 1–5, Bogota, 1882–1892.
Zu Beginn des Märchens wird ein kaltes Gebirgsland geschildert, mit einem Kranz hoher Berge um die Stadt Tunja herum, alltäglich von so starkem Nebel bedeckt, daß die Gebirgsgipfel fast das ganze Jahr verhüllt sind, außer im Januar um die Mittagszeit. Zwischen diesen Gebirgsketten liegt ein sehr tiefer See. Und nun sagt das Märchen wörtlich:
„Aus ihm soll nach dem Bericht der Indianer, bald nachdem es hell geworden, das Licht erschienen und alle übrigen Dinge erschaffen waren, ein Weib hervorgekommen sein, das Bachue hieß, und mit anderem Namen, seiner guten Werke halber, Fuzacho gue, das heißt „Gute Frau”. Sie hielt ein Kind im Alter von etwa drei Jahren an der Hand, das mit ihr aus dem Wasser herausgekommen war. Als sie beide gemeinsam vom Gebirge in die Ebene hinabgestiegen waren, bauten sie sich da, wo jetzt der Ort Iguaque liegt, ein Haus, in dem sie wohnten, bis der Knabe das Alter erreicht hatte, daß er sie heiraten konnte, was er dann auch tat. Diese Ehe wurde sehr bedeutungsvoll, denn das Weib war so fruchtbar, daß es bei jeder Niederkunft vier oder sechs Kinder gebar. Und s