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Lieber Freund,
Es freut mich sehr, daß Sie durch Ihren liebenswürdigen Brief den Anlaß zur Wiederanknüpfung unserer Beziehungen haben. Ich verfüge nicht über einen ähnlich reichen Wortschatz, wie der, in dem Sie unsere Freundschaft so treffend charakterisieren und muß mich mit der Versicherung begnügen, daß ich von ganzem Herzen zustimmen mußte, als Professor Freud vorschlug, Sie unter die Mitglieder der intimsten Gemeinschaft – zu der Sie doch im Geiste immer gehörten – auch formell aufzunehmen. Der Zweck des Komitees ist kein geringer. Es gilt, die großen Ideen und Erkenntnisse Freuds über alle Fährlichkeiten, die ihr von externer wie von interner Seite drohen, zu bewahren, und der folgenden Generation zu überliefern. Zwar sind die Statuten unserer Gemeinschaft niemals in Worte gefaßt worden, doch glaube ich, daß sich in erster Linie darum handelt, die Idee, Freuds Werk möglichst unverändert zu erhalten. Wir haben es mit den Erzeugnissen eines in seiner Bedeutung noch gar nicht voll zu würdigenden Geistes zu tun. Alles, was er uns sagte und sagen wird, muß also mit einer Art Dogmatismus gehegt werden, auch Dinge, die man vielleicht geneigt wäre anders auszudrücken. Wie oft mußte ich nachträglich einsehen, daß die von ihm gegebene Erklärung doch die tiefste und zureichendste war. Die Fähigkeit, auf eine eigene Idee zu Gunsten der zentralen zu verzichten, ist also eine der Hauptbedingungen, an die die Mitgliedschaft des Komitees geknüpft ist. Die große Bescheidenheit, die Ihr ganzes Wirken seit jeher kennzeichnet, prädestiniert Sie zweifellos zu dieser Aufgabe. Nebst dieser unerläßlichen Bedingung verfügen Sie aber über Eigenschaften, die wir an Ihnen oft bewundern mußten, und die es Ihnen ermöglichen, die Psychoanalyse für die Menschheit und die Sozietät fruchtbringend zu verwerten, während mancher von uns sich in den wissenschaftlichen Aufgaben erschöpft.
Solche und ähnliche kleine Divergenzen in der Arbeits-Richtung und Differenzen in der Weltanschauung überhaupt,