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Liebe Freunde!
Der Wunsch nach einem glücklichen, jedenfalls glücklicheren neuen Jahr mag vielen von uns persönlich gerechtfertigt erscheinen. Unsere gemeinsame Sache kann sich mit dem Erfolge des abgelaufenen Jahres zufrieden geben.3 Ich habe den Eindruck, daß die Psychoanalyse seit der Beendigung des Krieges sich rapid über die ganze von kultivierten Menschen bewohnte Erde ausbreitet. Unsere Organisation hielt – wie der letzte Kongreß zeigte – allen Erschütterungen stand, und das Jahr 1920 bescherte uns mit einigen bedeutsamen Arbeiten unseres Lehrers. Nicht zu vergessen ist die Erstarkung der »inneren Mission« durch die Einführung der regelmäßigen Korrespondenz. Wenn den Wünschen nur eine Spur von Allmacht verblieb, so müssen wir uns in 1921 in Fröhlichkeit wiedersehen.
Aus unserem Verein ist zu vermelden: ein kürzerer Vortrag von Dr. Hermann über die zeichnerische Begabung4 (Rückführbarkeit derselben auf erotische Betonung der – onanierenden – rechten Hand) und ein ebensolcher von mir über den Zusammenhang der musikalischen Begabung mit der Analerotik (zugl. Hinweise auf die Bedeutung der Synästhesien
Handschriftlicher Brief.
RB 18.11.1920/W, RB 11.12.1920/W 14.12.1920/Bp.
Freud nimmt in einem Privatbrief an Ferenczi auf diese Stelle Bezug: »Ich finde den Passus in Ihrem letzten Rundbrief ausgezeichnet, in dem Sie sagen, daß es uns allen schlecht geht, unserer Sache aber sehr gut. Es ist wirklich so, daß die Sache uns aufzehrt und daß wir in ihr gleichsam aufgelöst werden. Es ist wahrscheinlich ganz recht so, nur hätte ich der jüngeren, zweiten analytischen Generation gewünscht, daß sie der Lösung noch eine längere Zeit hindurch widerstehen kann.« Vgl. Sigmund Freud-Sándor Ferenczi, 25.12.1920 (ÖNB).
Am 21.11.1920 referierte Imre Hermann über »Beiträge zum Problem der zeichnerischen Begabung«; vgl. IZP 7, S. 133.
(erotischen Verdichtungen mehrerer Sinnessphären) in der Kunst und im Kunstgenuß)5.
Ad W.: Die Gründe, die für Verschiebung des Kongresses auf 1922 sprech