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Karl Abraham wurde als jüngster von zwei Söhnen einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Bremen geboren. Sein Vater – der in der jüdischen Gemeinde als Religionslehrer tätig war – war ihm in religiösen Fragen ein Vorbild an Toleranz. Abraham studierte in Würzburg, Berlin und Freiburg, anfangs Zahnmedizin, nach dem 1. Semester wechselte er zur Humanmedizin. Seine neurologische Ausbildung erhielt er in der Nervenklinik Dalldorf bei Berlin, bevor er 1904 nach Zürich übersiedelte und am Burghölzli mit Eugen Bleuler und C. G. Jung zusammenarbeitete. Dort kam er auch mit den Ideen Freuds in Berührung. Im Jahre 1906 heiratete er Hedwig Bürgner. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Hilda und Grant.
Entscheidend für seine berufliche Entwicklung war das Jahr 1907: Am 27. April hielt er vor dem »Deutschen Verein für Psychiatrie« in Frankfurt einen Vortrag »Über die Bedeutung sexueller Jugendtraumen«. Die schriftliche Fassung dieses Vortrags3 hatte Freud sehr beeindruckt und am 15. Dezember 1907 besuchte Abraham Freud in Wien. Im gleichen Jahre ließ er sich in Berlin als praktizierender Psychoanalytiker nieder. Das war ein mutiger Schritt angesichts der kollektiven Vorurteile der traditionellen Psychiatrie der Psychoanalyse gegenüber. Durch großes Engagement gelang es Abraham, in der Berliner Ärzteschaft zu einer Autorität zu werden und sich Respekt zu verschaffen. Ab 1909 hatte auch seine Praxis regen Zulauf.4
Abraham leistete wichtige Beiträge zu Theorie und Praxis der Psychoanalyse und sein Einfluß als Lehranalytiker war außerordentlich. Nach dem Bruch mit Jung wurde er 1914 Präsident der IPV und Mitherausgeber
des Jahrbuches. Als Chefarzt einer psych