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Liebe Freunde,
Ich glaube, daß seit Einführung des monatlich dreimaligen Briefwechsels (1. 11. 21.) die Numerierung der Briefe überflüssig geworden ist. Das ist wohl die Ursache der häufigen Irrtümer in dieser Hinsicht. Sollten wir uns nicht diesem Winke unserer Unbewußten fügen und die Numerierung einstellen?
Ein anderer technischer Vorschlag bezieht sich auf die adcirculandum bestimmten Briefbeilagen. Der Einsender sollte sich oder seinen Wohnort auf der Beilage kenntlich machen; jeder, der sie gelesen, könnte das nämliche tun, so wüßte man immer ob sie bereits allen bekannt ist. Schließlich sollten alle an die Sammelstelle (Wien) zurückgelangen.
Meine heutigen Bemerkungen knüpfen an ein sonst nicht besonders interessantes, weil fast nur als Zitat bestehendes Referat über Prof.'s »Jenseits d[es] L[ust]pr[inzips]« im Berliner »Börsenkurier«, das ich dem Wiener Briefe beilege, an. Ich finde darin eine Vermutung bestätigt, die in mir schon bei der Lektüre des »Jenseits« aufstieg, die nämlich, daß die Anhänger Jungs die Arbeit dazu benutzen werden, Jung als verfolgte Unschuld hinzustellen, da ja in ihr schließlich die Libido als lebenserhaltendes Prinzip dargestellt ist, worauf es auch bei Jung hauptsächlich ankam. Natürlich vergißt der Ref. des Berl.Börs.Kuriers 1), daß si duo faciunt idem, non est idem2, 2) daß es nicht dasselbe ist, ein Theorem ohne Beweise zu dekretieren (wie es Jung tat), besonders ohne alle Gegenargumente berücksichtigt zu haben, oder - wie Prof. Fr.- erst nach Erschöpfung aller psychologischer Erklärungsmöglichkeiten; 3) vergißt er, daß die Freud'sche Anschauung auch in der neuen Formulierung auf einen Dualismus (Todes- und Lebenstrieb) hinausläuft; ebenso wie in der Psychologie Freuds der Dualismus: Ich + Libido herrscht, - während bei Jung nur der in der Mystik, Religion und - Biologie bisher landläufige
Handschriftlicher Brief.
Lat.: Wenn zwei dasselbe tun, ist es doch nicht das gleiche.
»schöpferische« Trieb als werktätig gedacht war, ohne d