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Liebe Freunde,
Bei uns geht es jetzt wissenschaftlich wenig vor, die Wissenschaftspropaganda der Psychoanalyse schweigt. Frau Varró, eine tüchtige Musikpädagogin, wird uns nächsten Sonntag ihre z.T. psychoanalytisch zu nennenden Erfahrungen beim Klavierunterricht mitteilen.2 Von einem Outsider ganz gute Beobachtungen (die ich mir schon erzählen ließ). Sonst fehlt derzeit der Zuzug neuer Kräfte vollkommen. Großer Gegensatz zur früheren Regsamkeit.- Auch in der Praxis meiner Kollegen herrscht Ebbe. Ich bin immerhin vollbesetzt, aber die Ordinationsstunden sind fast leer.
ad W.: Herzlichen Dank für die stattlichen Buchsendungen. Der Jahresbericht ist imposant; die neuen Kräfte z.T. ausgezeichnet (z.B. Hermann). Typographisch wäre am Titelblatt eher die Psychoanalyse als der Jahresbericht hervorzuheben gewesen.
Merkwürdigerweise finde ich in meinem Referatenteile sehr viele Druckfehler3 (z.B. statt »nämliche« »männliche« Komplexe, was dann ganz adlerisch klingt). Warum demissionierte Ophuijsen als Referent? Und wer wird sein Nachfolger werden? - Ich schlage vor, für das immer wichtiger werdende Gebiet der Psychiatrie einen eigenen Referenten zu designieren, und zwar Stärcke, dem gewiß die ganze psychiatrische Literatur zugänglich ist (auch die ausländische).
Bezüglich der Paralysenarbeit muß ich folgendes mitteilen: die Arbeit war, wie Ihr Euch vielleicht noch erinnert, als eine gemeinsame geplant, da doch die Grundideen von mir stammen, von H. aber das - z. T. sehr gute - Beobachtungsmaterial. Die theoretischen Erklärungen seinerseits - auf die er nur schwer verzichten wollte - waren recht unklar. Ich entschloß mich daher, die Arbeit ihm zu überlassen, nahm mir aber das
Handschriftlicher Brief.
Das KB vermerkt dazu: »Am 5. Juni: Frau Margit Varró (als Gast): Zur Psychologie des Klavierunterrichts«, IZP, 7, S. 399.
Da es keine 2. Auflage dieses »Berichtes« gab, sind diese Druckfehler nie berichtigt worden.
Recht heraus, sie wenigstens soweit zu revidieren und zu ergänzen,