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Liebe Freunde,
Es stellt sich heraus, daß die in kurzen Intervallen zu empfangenden Botschaften mir bereits zur Notwendigkeit geworden sind. Infolge der von Wien angeregten – sicher berechtigten – Verlängerung des Intervalls um einige Tage verspüre ich bereits Abstinenz-Erscheinungen!
Von uns ist zu melden, daß Dr. Radó in 8-10 Tagen mit Frau und Kind zu kurzem Aufenthalte nach Wien reist, um einer Einladung seiner ersten Frau und ihres Onkels (des amerik. Millionärs) Folge zu leisten.2 Er will die Gelegenheit dazu benutzen, das Interesse des Herrn Kessler (so heißt der reiche Groß-Schlächter aus New York) für die Psychoanalyse zu gewinnen.
In einer hiesigen radikalen Zeitschrift, die von halbbolschewistischen Kathedersozialisten redigiert wird, erschien vorige Woche ein gehässiger Ausfall gegen die Psychoanalyse vom Standpunkte der Adler'schen Ideologie. Ich werde ihn unbeantwortet lassen, gedenke aber demnächst in Ignotus' Zeitschrift3 darzulegen, warum die Sozialisten, die an ihrer rein materialistischen (a-psychologischen) Auffassung gescheitert sind, sich nunmehr anschicken, der Adler'schen pseudo-psychologischen Richtung zu verfallen.4
Ich arbeite jetzt an dem für ein Sammelwerk bestimmten kurzen (ung.) Abriß der Psychoanalyse (50 Druckseiten).
Im Verein herrscht etwas wie Ebbe, ebenso in der Praxis. Hermann hält übermorgen in einem kleinen Kreise vor Ärzten einen Vortrag über die psychoanalytische Anamnese.5 Eine gute Idee; ich überredete ihn, den Vortrag auch in der Zeitschrift zu veröffentlichen. Solche populäre ärztliche Aufsätze sind für uns gut brauchbar.