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Liebe Freunde,
Dieser Brief sollte eigentlich am 1.12. geschrieben sein. Durch Überlastung mit anderen Arbeiten komme ich erst heute dazu. Aber die Verzögerung ermöglicht es mir, auf Ihren gestern eingetroffenen Brief, l. Herr Professor, zu antworten. Ich bedauere nur, daß mein privates Schreiben an Rank Ihnen noch nicht vorgelegen hatte. Wenn Sie es inzwischen gesehen haben, so haben Sie darin sicher meine Bereitwilligkeit erkannt, das Sachliche sachlich und das Persönliche konziliant zu behandeln. Jedenfalls enthebt es mich der Notwendigkeit einer nochmaligen Erörterung des Herganges. Herzlich würde ich mich freuen, die Angelegenheit zwischen Dir, l. Otto, und mir durch den Briefwechsel beglichen zu sehen. Wenn ich dagegen auf Ihr Schreiben, l. Herr Prof., genauer eingehe, so will ich nicht verhehlen, zuvor zu sagen, daß Ihr Appell seinen Eindruck auf mich, wie auf uns alle ausgeübt hat, und daß er gewiß wie nichts anderes dazu beitragen wird, das gute Einvernehmen unter uns zu fördern. Wenn ich also im Folgenden einige Einwände erhebe, so mögen Sie darüber nicht vergessen, daß die Übereinstimmung im Wesentlichen dadurch nicht berührt wird. Ich halte eine tiefer greifende Meinungsverschiedenheit eigentlich für ausgeschlossen!
Sie finden einen Gegensatz zwischen meinen sonst gezeigten Charaktereigenschaften und meinem Verhalten in dem vorliegenden Falle und schließen auf eine fernere Quelle. Sie haben Recht; aber wo ist die Quelle?
Seit Beginn unseres Rundbriefwechsels mußte ich öfter gegen vorschnelle Urteile und übereilte Bestimmungen Ranks protestieren. In größerem
Maschinenschriftlicher Brief.
»Vom schlecht unterrichteten Papst an den besser zu unterrichtenden Papst«. Mit diesen Worten leitet Luther seine Appellation vom 16. Oktober 1518 an Papst Leo X. ein, in der er seine Sicht des Verlaufs der Diskussionen mit Cardinal Cajetan in Augsburg darstellt; vgl. Schaff (1998).
Umfang war das in diesem Sommer nötig aus Anlaß der Kongreßvorbereitungen. Ich habe die Erö