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Liebe Freunde!
Laßt mich noch einmal den Typographen satteln, ehe ich mich in mein Austragstüberl2 zurückziehe. Ich danke Euch, d. h. Abraham und Jones für die Nachsicht in der Beantwortung meines vorigen Briefes. Einer von Euch hat mich einer ungerechten Parteinahme für Rank beschuldigt, obwohl ihr vielleicht beide oder mehrere daran gedacht haben mögt. (Nur mein alter Freund Ferenczi weiß genau, daß mein fanatischer Rechtssinn mir im Leben mehr geschadet hatte als alle anderen guten u schlechten Eigenschaften zusammen.) Ihr hättet es doch leicht gehabt, denn die ΨΑ eignet sich bekanntlich nicht zum Werkzeug einer Polemik3, es ist immer eine Übertretung, sie so, wie ich es getan habe, zu gebrauchen.
Natürlich täusche ich mich nicht über meinen Erfolg; es hat den Anschein, als ob ich weder bei Ab. noch bei J. etwas erreicht hätte. Vielleicht ist aber ein ausdrückliches Zurücknehmen nicht notwendig u der Erfolg zeigt sich später in geänderten Reaktionen. Ich werde auch die Polemik
Von diesem handschriftlichen Brief Freuds existiert im ORA eine maschinenschriftliche Abschrift, wahrscheinlich von Otto Rank.
Hier klingen einige Themen Freuds an, die ihn über viele Jahre beschäftigten: Krankheit und Tod, vgl. Schur (1982), aber auch die Zukunft der Psychoanalyse. Dem »Austragstüberl« liegt ein »Austrag« zugrunde – ein notariell abgesicherter Vertrag, der bei der Hofübergabe des »Altbauern« geschlossen wird. Da es auf dem Lande keine allgemeine Altersversorgung gab, wurde diese vertraglich bis ins letzte Detail geregelt. Hierzu gehörten Nahrung und Kleidung ebenso wie das Recht auf eigenen Wohnraum und Wärme im Winter. »Austrag« bezeichnet ferner die Räumlichkeiten für die »Austragler«. Nur auf großen Anwesen konnte man ein eigenes »Austragshäusle« errichten, oft in Verbindung mit Backofen, Werkstatt oder Waschhaus. Meist mußte ein »Austragstüberl« oder eine Kammer genügen. Diese wurde auch die »schöne Kammer« genannt; repräsentativ ausgestattete Schlafkammer, meist im Oberg
Von diesem handschriftlichen Brief Freuds existiert im ORA eine maschinenschriftliche Abschrift, wahrscheinlich von Otto Rank.
Hier klingen einige Themen Freuds an, die ihn über viele Jahre beschäftigten: Krankheit und Tod, vgl. Schur (1982), aber auch die Zukunft der Psychoanalyse. Dem »Austragstüberl« liegt ein »Austrag« zugrunde – ein notariell abgesicherter Vertrag, der bei der Hofübergabe des »Altbauern« geschlossen wird. Da es auf dem Lande keine allgemeine Altersversorgung gab, wurde diese vertraglich bis ins letzte Detail geregelt. Hierzu gehörten Nahrung und Kleidung ebenso wie das Recht auf eigenen Wohnraum und Wärme im Winter. »Austrag« bezeichnet ferner die Räumlichkeiten für die »Austragler«. Nur auf großen Anwesen konnte man ein eigenes »Austragshäusle« errichten, oft in Verbindung mit Backofen, Werkstatt oder Waschhaus. Meist mußte ein »Austragstüberl« oder eine Kammer genügen. Diese wurde auch die »schöne Kammer« genannt; repräsentativ ausgestattete Schlafkammer, meist im Oberg