You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Liebe Freunde,
unsren heutigen Brief können wir nicht anders beginnen wie mit dem Ausdruck unserer Freude über Ihre Genesung, l. Herr Professor, die uns nun von Ihnen selbst und aus anderen Quellen verschiedentlich bestätigt ist. Auf die zuletzt eingegangenen Rundbriefe haben wir bereits in unserem letzten, verspätet abgegangenen Brief geantwortet, so daß wir uns heute auf einen Bericht von hier beschränken können.
Unsre Lehr-Kurse verlaufen sehr befriedigend. Von meinem Kurs (Besprechung analysierter Fälle) trägt jetzt Frau Dr. Deutsch die 2. Hälfte (Zwangsn[eurose] etc.) vor. Ihr erster Vortrag vor einigen Tagen hat allseitig ausgezeichnet gefallen. – Die vor längerer Zeit eingesetzte Unterrichtskommission hat jetzt einen Lehrplan für die Ausbildung in der Psychoanalyse hergestellt, wobei uns Ratschläge von Herrn Prof. halfen. Der Entwurf wird demnächst der Vereinigung vorgelegt. In der endgültigen Form werden wir ihn dem Komitee zur Kenntnis bringen.
Wir halten auch diesen Sommer durch 3 Sitzungen im Monat. Die letzten 2 Sitzungen waren ausgefallen durch eine lange Debatte über einen Vortrag von Simmel2, der im Material eines kathartisch behandelten Falles die kompliziertesten foetalen Erinnerungen nachweisen wollte.
Als Neuerung melden wir ferner die Begründung einer Leihbibliothek nach Ideen von Schmideberg3 und Radó. Unsre Vereinsbibl. besitzt zwar alle wichtigen Schriften, aber doch nur je in einem Exemplar. Die jüngeren Mitglieder und die neu Hinzugekommenen sind immer weniger in der Lage, sich die Literatur selbst anzuschaffen. Da kann nur eine Leihbibliothek mit genügender Anzahl von Exemplaren helfen. Der Verlag spendierte der Vereinigung in sehr dankenswerter Weise die Bücher. Aus den Leihgeldern hoffen wir die Schuld amortisieren zu können.