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Liebe Freunde!
Unser voriger Brief enthielt bereits die Antwort auf die Briefe von Wien, Budapest und London, sodaß wir heute nur einen Bericht über die hiesigen Vorgänge geben.
In diesem Winter ist das Interesse an der Psychoanalyse in Berlin außerordentlich gestiegen. Von verschiedenen Seiten werden populäre Vorträge veranstaltet, und die allgemeine Teilnahme des Publikums an den Fragen ist sehr gesteigert. Zum Teil sprachen hier auswärtige Redner. In der religionswissenschaftlichen Gesellschaft sprach Pfister. Der Vortrag, im Ganzen gut, nur an manchen Stellen schwach und ungeschickt, wurde sehr freundlich aufgenommen von einer Zuhörerschaft von 150 Personen, meist Theologen.2
In der Lessing Hochschule, einem Institut für populär-wissenschaftliche Vorträge, hielt Groddeck 4 Vorträge, die inhaltlich nichts Neues boten, aber recht seicht und unbefriedigend waren. Sein Benehmen gegen uns war befremdend. Er hat in den 4 Wochen niemanden von uns aufgesucht, auch Eitingon nicht, dessen Gast er während des Kongresses war. Nach unserer Meinung hätte er wohl eine Anzeige der Vorträge an die Gruppe, deren Mitglied er ist, senden dürfen.
Eine ziemlich umfangreiche Vortragstätigkeit entfaltet Hattingberg, der aus München unbekannter Gründe halber hierher übergesiedelt ist. Ohne irgendwie mit der Vereinigung Fühlung zu nehmen, hat er vom ersten Tage an durch Anzeigen, Zeitungsartikel etc. eine Reklame betrieben, die allgemein in ärztlichen Kreisen anstößig gefunden wird. Neuerdings gibt er mit Marcinowski3 und Schulz4, der auch hierher
Maschinenschriftlicher Brief.
Am 9. November sprach Pfister in der »Religionswissenschaftlichen Gesellschaft« an der Universität über »Religionswissenschaft und Psychoanalyse«, vgl. IZP, 10, S. 486.
Vgl. Bd. 1, S. 63, Anm. 32.
J. H. Schultz , der Begründer des autogenen Trainings.
übersiedelt ist, eine Serie von Schriften heraus, die ebenfalls in reklamehafter Weise angepriesen wird.5
Auch sonst macht sich die wilde Analyse bemerkbar. Ein Anhänger v