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Liebe Freunde!
Nach allem, was in der letzten Zeit mit mir und durch mich vorgefallen ist, fühle ich das Bedürfnis, Euch als mittel- oder unmittelbar Beteiligten auch Mitteilung von einer Wandlung zu machen, die sich in mir und mit mir vollzogen hat, und die es – wie ich hoffe – rechtfertigt, daß ich mich in der alten Form an Euch als ehemalig gemeinsame Freunde und Mitarbeiter wenden kann, in der Absicht, mein Verhalten zunächst aufzuklären und soweit der eine oder andere von Euch persönlich davon betroffen wurde auch [zu] entschuldigen und schließlich gut zu machen.
Erst nach den letzten Vorgängen in Wien, über die Ihr ja wohl unterrichtet seid, ist mir meine Einstellung und mein Benehmen der letzten Zeit dem Professor gegenüber klar geworden. Offenbar mußten erst gewisse Dinge geschehen sein2, ehe ich zur Einsicht kommen konnte, daß meine affektiven Reaktionen gegen den Professor und gegen Euch, soweit Ihr für mich die ihm nahestehenden Brüder repräsentiertet, unbewußten Konflikten entstammten, über die ich mir und auch Euch erst jetzt Rechenschaft geben kann, nachdem ich sie auf diese Weise überwunden habe.
Ich bin plötzlich aus einem Zustand, den ich jetzt als neurotisch erkennen kann, wieder zu mir selbst gekommen und habe nicht nur den aktuellen Anlaß der ganzen Krise in dem Trauma erkannt, das für mich in der lebensgefährlichen Erkrankung des Professors gegeben war, sondern auch Art und Mechanismus meiner Reaktion darauf aus meiner persönlichen Kinder- und Familiengeschichte – den Ödipus- und Bruderkomplex – verstehen können. Ich habe so realerweise Konflikte erledigen müssen, die mir wahrscheinlich durch eine rechtzeitige Analyse erspart geblieben wären, die ich aber durch dieses schmerzliche Erlebnis überwunden zu haben glaube.
Aus analytischen Aussprachen mit dem Professor, in denen ich meine Reaktionen im Detail aus affektiven Einstellungen aufklären konnte, schöpfe ich die Hoffnung, daß es mir gelungen ist, zunächst das persönliche Verhältnis zu bereinigen,