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Lieber Otto,
wir brauchen Dir wohl nicht erst zu sagen, daß wir Deinen Brief mit großer Befriedigung aufgenommen haben; bedeutet er doch den Abbau so vieler peinlicher Konflikte und Affekte und die Aussicht auf eine ungestörtere Entwicklung der ps.a. Bewegung, als wir in den letzten Monaten hoffen durften.
Du wirst es unseren langsameren Temperamenten zugute halten, wenn wir in Deinem Brief zwar einen vielversprechenden Wendepunkt sehen, aber der Ansicht sind, daß Du zunächst auf dem neuen Wege weiterschreiten sollst, um wieder ganz zu uns zu gehören. Geschehene Dinge einfach als ungeschehen zu behandeln, wäre ein unanalytischer Standpunkt; wir wollen lieber versuchen, sie durch gemeinsame Arbeit zu bereinigen und uns dadurch wieder zusammenfinden.
Die neurotische Bedingtheit Deines Tuns – an der keiner von uns gezweifelt hat – bedeutet ja an und für sich nichts für die Entlastung von der Verantwortlichkeit; erst Deine Einsicht und die daraus folgenden Schritte – den ersten und wichtigsten hast Du mit Deinem Briefe bereits getan – können uns an der alten Situation der Freundschaft und des Vertrauens zurückführen.
Als Analytiker wissen wir alle zu würdigen, was die gewonnene Krankheitseinsicht und die Fähigkeit, in den aktuellen Konflikten die alten Familienkonstellationen wiederzuerkennen, bedeutet; sie bilden die Voraussetzung des wichtigsten Stückes der Therapie, aber sie können die Therapie selbst nicht ersetzen. Wir fürchten deshalb nicht, daß Du es als Mißbrauch Deines uns wieder geschenkten Vertrauens ansiehst, wenn wir Dich bitten, uns noch mehr von der Vorgeschichte Deiner Wandlung zu erzählen, z. B. ob diese schon in Wien eingesetzt hat oder erst nach Deiner Abreise, welchen Eindruck Deine letzte Auseinandersetzung mit dem Prof. auf Dich gemacht hat, welches die letzte auslösende Veranlassung des Umschlages war, ob und was Deine amerikanischen Leistungen und Pläne, Deine dortigen Erfolge resp. Mißerfolge damit zu tun hatten. Soweit
Maschinenschriftlicher Brief.
Maschinenschriftlicher Brief.