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Liebe Freunde!
Obwohl der Monat nicht gerade ereignislos war, so hat er doch nicht viel ergeben, was über die persönliche Korrespondenz hinaus Inhalt dieses Briefes werden könnte. Ferenczi war über einen Sonntag bei uns. Wir haben uns über Vieles ausgesprochen und zu dritt Versuche über Gedankenübertragung gemacht, die merkwürdig gut ausgefallen sind, besonders jener Versuch, in dem ich selbst das Medium gespielt und dann meine Einfälle analytisch ergänzt habe. Die Sache rückt uns immer näher an den Leib.2
Das Referat von Sachs über das Trauma der Geburt erhalten, gelesen und gebilligt.3 Ich denke, es wird Rank wohltun und ihm einen der Anstöße erteilen, deren er bedarf, um aus seiner gegenwärtigen lethargischen Depression herauszukommen. Er hat übrigens die besten Absichten, alles in Ordnung zu bringen und sich wieder einzureihen und würde gewiß sehr bald nach Berlin kommen, wenn nicht sein einziger aus Amerika mitgebrachter Patient ein Melancholiker wäre, den er vorläufig noch keinen Tag sich selbst überlassen kann.
Von Manuskripten habe ich in diesem Monat das von Róheim über den Drachenkampf gelesen.4 Ferenczi hat es im Einverständnis mit mir nach Budapest genommen, um es dem Autor zur neuerlichen Überlegung zurückzugeben. Es arbeitet nämlich durchaus mit der neuen Geburtstraumatheorie und ändert alle früheren Erklärungen so ab, daß sie auf den neuen Leisten passen. Das macht natürlich keinen guten Eindruck. Auch glaube ich, daß man ohne jeden Schaden für den Zusammenhang überall die Geburtsangst durch die Kastrationsangst ersetzen kann.
Mein Befinden leidet in den letzten Wochen unter den neuerlichen Bemühungen meines Arztes, die Prothese stabiler und leistungsfähiger zu machen. Vielleicht laufen diese Versuche endlich in dauernden Vorteil
aus. Unsere Sommerpläne werden uns wahrscheinlich wieder in das Haus auf dem Semme